Zwei Tage vor Symptombeginn

Fruchtbarkeitstracker entdeckt Coronainfektion

, Uhr
Berlin -

Smartwatches oder Fitnessarmbänder gehören für viele zum Must-have im alltäglichen Leben. Wie viele Schritte muss man noch gehen, wie ist der aktuelle Puls und wer schreibt gerade über WhatsApp? Wird es in Zukunft möglich sein, Infektionskrankheiten wie Covid-19 vor Symptombeginn zu entdecken?

Morgens kurz die Schlafanalyse checken, den Wetterbericht lesen und die Lieblingsmusik abspielen – alltägliche Funktionen einer Smartwatch oder eines Fitnessarmbandes. Diabetiker:innen sollen demnächst von einer non-invasiven Blutzuckermessung profitieren. Ende 2022 soll eine Smartwatch auf dem Markt erscheinen die Blutzuckerwerte über die Haut ohne Einstich messen kann. Es erscheint daher nicht abwegig, auch aktuelle Coronainfektionen aufspüren zu können, bevor man anhand von Schnelltests positiv testet. Das würde enorme Vorteile bringen: Die Ansteckungsgefahr wäre reduziert, Betroffene könnten sich früher in Isolation begeben und helfen, das Virus einzudämmen.

Coronatest mittels Armband

Schon vor Beginn der Corona-typischen Symptome wie Husten, Atembeschwerden, Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden, können Infizierte SARS-CoV-2 weitergeben – oft unbemerkt. Praktisch wäre ein kontinuierlicher Coronatest, der bei Veränderungen von Parametern wie Puls, Körpertemperatur, Schlafdauer- und Qualität Alarm schlägt.

Ein Fruchtbarkeitsarmband könnte ein solches Tool sein. Das Ava-Armband, von der Food and Drug Administration zugelassen und ein CE-zertifiziertes Fruchtbarkeitsarmband wurde ursprünglich angewandt bei Frauen mit Kinderwunsch. Durch kontinuierliche Messung von Temperatur- und Durchblutung der Haut, sowie Schlafdauer und Qualität können Algorithmen erstellt werden. In einer prospektiven Studie untersuchten Wissenschaftlr:innen bestimmte physiologische Parameter mittels des Ava-Armbandes. Hieraus wollte man Daten ableiten für vier Infektionsbezogene Zeiträume:

Inkubation: drei bis zehn Tage vor Symptombeginn

Präsymptomatisch: zwei und weniger Tage vor Symptombeginn

Symptomatisch: Symptome ausgeprägt

Genesung: Abklingen der Symptome

Studie zu Parametern

An der Studie nahmen 1163 Proband:innen teil, mit einem Durchschnittsalter von 44,1 Jahren und mehr als die Hälfte waren Frauen. Die Daten wurden ein Jahr lang gesammelt, getragen wurde das Armband nachts. In dem Studienzeitraum infizierten sich insgesamt 127 Teilnehmer:innen mit dem Corona-Virus. 66 von den Erkrankten hatten das Armband zuverlässig mindestens 29 Tage vor Symptombeginn getragen. Die Wissenschaftler:innen konnten bei fünf der sieben untersuchten Parameter signifikante Änderungen feststellen:

Inkubation

  • Temperaturanstieg am Handgelenk um 0,13 Grad
  • nächtliche Herzfrequenz 0,87 Schläge pro Minute mehr

Präsymptomatisch

  • nächtliche Herzfrequenz steigt weiter um einen Schlag pro Minute
  • Temperatur erhöht sich um 0,18 Grad

Symptomatisch

  • signifikant erhöhte Atemfrequenz
  • Herzfrequenz um 2,2 Schläge pro Minute erhöht
  • Temperatur steigt um 0,3 Grad

In 68 Prozent konnte aufgrund des entwickelten Algorithmus Covid-19-Fälle zwei Tage vor Symptombeginn detektiert werden. Die Studienautor:innen haben somit gezeigt, dass ein tragbares Sensorarmband, in Verbindung mit einem maschinellen Lernmodell das Potenzial hat, COVID-19-Infektionen vor Symptombeginn zu erkennen. Im Dezember sollen erste Ergebnisse einer aktuell laufenden Studie mit 20.000 Teilnehmer:innen veröffentlicht werden. In dieser wird der entwickelte Algorithmus geprüft.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Keine Sicherheitsbedenken
Impfstoff-mRNA in Muttermilch »
Schlafprobleme bei Kindern möglich
Paracetamol: Gefahr in der Schwangerschaft? »
Mehr aus Ressort
Diabetiker:innen bekommen Schwierigkeiten
Lieferengpass bei Insuman: Pen statt Patrone »
Fettleibigkeit verschlechtert die Prognose
Adipozyten fördern Brustkrebswachstum »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Keine Sicherheitsbedenken
Impfstoff-mRNA in Muttermilch»
Sars-CoV2-Arbeitsschutzverordnung verlängert
Hygienekonzept: Was gilt in Apotheken?»
Gericht verbietet „Entwarnungshinweis“
Von wegen „alkoholfrei“ – Restalkohol in Aspecton»
Lüdering geht früher von Bord
Apobank: Noch ein Vorstand weg»
Schlafprobleme bei Kindern möglich
Paracetamol: Gefahr in der Schwangerschaft?»
Diabetiker:innen bekommen Schwierigkeiten
Lieferengpass bei Insuman: Pen statt Patrone»
Fettleibigkeit verschlechtert die Prognose
Adipozyten fördern Brustkrebswachstum»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Kassen schicken Geldtransporter zu Apotheke»
Preisanpassung bei Apothekenserver
NGDA: Securpharm wird teurer»
Funktion der Immunzellen gestört
Zecken: Speichel hemmt Abwehr»
Limit für geringfügige Beschäftigung erhöht
Minijob: 70 Euro mehr verdienen»
A-Ausgabe Oktober
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Debatte geht in die nächste Runde
EMA befürwortet Biosimilar-Austausch»
Jede Verordnungszeile einzeln
Mehrfachverordnungen: Wie wird beliefert?»
Was wird von der Kasse erstattet
Retaxgefahr: Sprechstundenbedarf auf Rezept»