Erkältungsmittel

BoxaGrippal: Angriff auf Medinait

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Berlin -

Die Erkältungssaison kam spät, dafür mit umso größerer Wucht. Genauso wie die Apotheken freuten sich die Hersteller über die Nachfrage – und kratzten Millionenbeträge zusammen, um ihre Präsenz im TV-Vorabendprogramm zu verlängern. Vor allem Boehringer Ingelheim griff tief in die Tasche, um BoxaGrippal nach dem verpatzten Start am Markt zu etablieren. Davon profitierten allerdings auch die Platzhirsche, von denen sich der Konzern jetzt mit einer Produktvariante absetzen will. Die wiederum könnte Wick gefährlich werden.

Insgesamt legten nach Zahlen von IMS Health die im Erkältungsmarkt relevanten Sortimente von Oktober bis Ende Februar um bis zu 25 Prozent zu. Betrachtet man nur die ersten beiden Monate dieses Jahres, in denen die Erkältungswelle richtig in Schwung kam, liegt das Plus sogar bei 50 Prozent. Insight Health rechnete unlängst vor, dass der Wochenumsatz im Februar bei bis zu 58 Millionen Euro lag, verglichen mit den sonst üblichen durchschnittlich 37 Millionen Euro in starken Erkältungswochen.

Im Vorjahr hatte es gar keine Erkältungswelle gegeben, entsprechend waren die Umsätze dramatisch eingebrochen. Der späte Saisonstart brachte die Hersteller diesmal allerdings in die Verlegenheit, noch einmal in ihren Marktanteil investieren zu müssen. Denn die frühen Werbemaßnahmen waren über den Jahreswechsel verpufft.

So wurden die Budgets kräftig ausgeweitet: Boehringer buchte im Januar und Februar für BoxaGrippal (Ibuprofen/Pseudoephedrin) Werbeplätze im Bruttowert von 10 Millionen Euro, das waren 23 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Entsprechend kletterten die Erlöse um 40 Prozent auf 4,5 Millionen Euro. Seit Oktober wurden 9 Millionen Euro umgesetzt, 13 Prozent mehr als in der Vorjahressaison. Dass das Produkt damit etwas unter dem Markt wuchs, ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass Einführungsaktionen von Newcomern immer auch die Platzhirsche beflügeln.

So kamen die in dem Segment relevanten Hersteller mit der Hälfte des Werbevolumens aus, wenngleich die Steigerungsraten hier teilweise doppelt so hoch lagen. Bei der Stada erhöhte OTC-Chef Adil Kachout im Januar und Februar den Einsatz für Grippostad C (Paracetamol/Ascorbinsäure/Coffein/Chlorphenamin) im Januar und Februar um 45 Prozent auf mehr als 5 Millionen Euro – und pushte damit die Umsätze um 81 Prozent auf 21 Millionen Euro. Seit Oktober wurden Packungen im Wert von 46 Millionen Euro verkauft, 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Auch Procter & Gamble (P&G) und Bayer investierten in den ersten beiden Monaten dieses Jahres jeweils noch einmal rund 5 Millionen Euro in Wick Medinait (Doxylamin/Ephedrin/Dextrometorphan/Paracetamol) und Aspirin complex (ASS/Pseudoephedrin) und fuhren gute Ernte ein: Der Erkältungssaft legte um 71 Prozent auf 13 Millionen Euro zu, das Pseudoephedrin-haltige Granulat um 56 Prozent auf 17 Millionen Euro. Bezogen auf dies Gesamtsaison kommen Umsätze von 28 beziehungsweise 38 Millionen Euro zusammen.

Seit der Einführung im September 2013 hat der Boehringer mehr als 40 Millionen Euro in Werbung für BoxaGrippal investiert – bei Umsätzen von weniger als 20 Millionen Euro. Dennoch ist man in Ingelheim mit der Entwicklung zufrieden: Mehr als zwei Millionen Packungen seien bereits verkauft worden, mehr als 60 Prozent der Verbraucher kennen nach Konzernangaben die Marke.

Pünktlich zur kommenden Saison soll das Portfolio daher weiter ausgebaut werden. Im Sommer kommt unter der Marke ein Erkältungssaft auf den Markt, der 200 Milligramm Ibuprofen und 30 Milligramm Pseudoephedrin je 10 Milliliter enthält. Hergestellt wird der Saft vom britischen Lohnhersteller Orbis.

Eine jüngere Zielgruppe erreicht der Konzern damit nicht – der Saft ist erst ab 16 Jahren zugelassen. Dafür hat Boehringer ältere Menschen im Visier, für die es bislang in diesem Bereich kaum flüssige Arzneiformen gibt. Der einzige vergleichbare Erkältungssaft kommt von Wick, der stolz damit wirbt, „Deutschlands Nr. 1 Erkältungssirup“ zu sein.

Der künftige Konkurrent hat mit seinem BoxaGrippal-Generikum WickGrippal bislang keine größere Bedeutung erlangt, genauso wie SpaltGrippal (Pfizer), das ebenfalls im Herbst und mit deutlichem Preisabschlag eingeführt worden war.

Schwächer als der Markt entwickelten sich zuletzt auch die großen pflanzlichen Produkte: Gelomyrtol (Eukalyptus-/Süßorangen-/Myrten-/Zitronenöl) legte nach einem schwachen Auftakt um 31 Prozent auf 16,5 Millionen Euro zu; der Hersteller Pohl-Boskamp hatte seine neue Kampagne vergleichsweise spät gestartet. Insgesamt liegen die Umsätze seit Oktober mit 36 Millionen Euro 14 Prozent über Vorjahr.

Umckaloabo (Pelargonium-Extrakt) wuchs im Januar und Februar erstmals seit Jahren wieder: um 20 Prozent auf 7,7 Millionen Euro. Das Schwabe-Produkt ist in diesem Jahr erstmals echter Konkurrenz durch die Generikaanbieter Hexal und Ratiopharm ausgesetzt. Wegen eines schlechten Starts liegt die Gesamtsaison mit 17 Millionen Euro noch 1 Prozent unter Vorjahr.

Das homöopathische Mittel Meditonsin wurde durch den Hersteller Medice massiv beworben und baute nach dem Jahreswechsel auf hohem Niveau seine Umsätze ebenfalls um 20 Prozent auf 7 Millionen Euro auf. Über die Gesamtsaison liegt das Produkt mit 17 Millionen Euro knapp 5 Prozent über Vorjahr.

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