Immunstimulanzien

Meditonsin zieht an Umckaloabo vorbei

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Berlin -

Winterzeit ist Erkältungszeit. In der Apotheke sind neben Schnupfen-, Husten- und Schmerzmedikamenten auch Mittel zur Stärkung des Immunsystems gefragt. Unter den pflanzlichen Präparaten hatte lange Echinacea die Nase vorn. Dann wurde der Klassiker abgelöst durch Umckaloabo, das unter dem Motto „Hart zum Infekt – sanft zum Körper“ bei akuter Bronchitis eingesetzt wird. Jetzt drängt mit Meditonsin ein homöopathisches Mittel an die Spitze.

Genau genommen sind weder Umckaloabo noch Meditonsin klassische Immunstimulanzien: Der Pelargonium-Extrakt von Dr. Willmar Schwabe ist zugelassen zur Behandlung der akuten Bronchitis, soll allerdings nicht nur zähen Schleim lösen, sondern auch die Ausbreitung von Krankheitserregern verhindern und die Abwehrkräfte mobilisieren.

Meditonsin wirkt laut Herstellerangaben gegen Rachenentzündung, Fieber und Erkältungssymptome wie Husten und Schnupfen. Der homöpathische Tri-Komplex aus Aconitinum D5, Atropium sulfuricum D5 und Mercurius cyanatus D8 gibt demnach aber außerdem „gezielte Impulse zur Aktivierung der körpereigenen Abwehrkräfte“.

Empfohlen werden beide Produkte in der Apotheke daher schon bei den ersten Erkältungssymptomen – sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. In der Sichtwahl haben Umckaloabo und Meditonsin einen festen Platz unter den Erkältungsmitteln, hinter Sinupret (Bionorica), Grippostad C (Stada), Gelomyrtol (Pohl-Boskamp), Aspirin complex (Bayer) und Wick Medinait (Procter & Gamble).

In den vergangenen Jahren ist der Abstand zwischen den beiden Produkten immer geringer geworden. Die öffentliche Debatte um mögliche Leberschäden hat dem Pelargonium-Wurzelextrakt zugesetzt; die Umsätze sind seit Jahren rückläufig. 2011 wurden 3,2 Millionen Umckaloabo-Packungen im Wert von 47 Millionen Euro auf Basis der Apothekenverkaufspreise (AVP) verkauft, bei Meditonsin waren es 2,8 Millionen Packungen im Wert von 32,5 Millionen Euro.

2012 lagen die Absätze mit 2,7 beziehungsweise 2,6 Millionen Packungen nahezu gleichauf; nur wegen der Preisdifferenz lag Umckaloabo mit 38 Millionen Euro noch deutlich vor Meditonsin mit knapp 30 Millionen Euro. 2013 verlor Umckaloabo trotz Erkältungswelle zum Jahresbeginn abermals um 16 Prozent, dagegen konnte Meditonsin – verglichen mit dem Gesamtmarkt zwar nur schwach – um 6 Prozent zulegen.

In diesem Jahr könnte das Homöopathikum endgültig den Spitzenplatz holen: In den ersten sieben Monaten 2014 lag Meditonsin mit abverkauften 1,35 Millionen Packungen bereits deutlich vor Umckaloabo mit 1,13 Millionen Packungen. Beim Umsatz liegen beide Produkte mit 14 beziehungsweise 15 Millionen Euro nahezu gleichauf.

Schwabe ist mit seinem Top-Seller mittlerweile auch generischer Konkurrenz ausgesetzt: Im vergangenen Frühjahr hatten Ratiopharm und Hexal eigene Pelargonium-Produkte auf den Markt gebracht. Auf Basis der Apothekeneinkäufe haben es die beiden Newcomer – trotz schwacher Saison – bereits in den ersten Monaten auf die Hälfte des Originals gebracht.

Für Medice stehen die Chancen also günstig, sich nach vorne absetzen zu können. Seit einiger Zeit wirbt der Hersteller für Meditonsin sogar im Fernsehen. Auch andere Anbieter pflanzlicher beziehungsweise homöopathischer Immunstimulanzien kämpfen um Marktanteile, darunter Repha (Angocin), Klosterfrau/Nattermann (Contramutan), Bionorica (Imupret), Schaper & Brümmer (Esberitox), Heel (Lymphomyosot) und Weleda (Infludoron). Nur die Erkältungsviren müssen noch mitspielen.

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