Covid-19: Neurologische Symptome und Komplikationen | APOTHEKE ADHOC
Beschwerden durch Sars-CoV-2

Covid-19: Neurologische Symptome und Komplikationen

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Berlin -

Mittlerweile ist bekannt, dass Covid-19 im Verlauf nicht nur die Lunge, sondern auch weitere Organe schädigen kann. Verschiedene Fallserien berichten nun auch von neurologischen Beschwerden und Komplikationen.

Neurologische Symptome werden oft zunächst nicht als solche eingeordnet: Kopfschmerzen, Schwindel, sowie Geruchs- und Geschmacksstörungen zählen beispielsweise zu den harmloseren Beschwerden. Für Sars-CoV-1 und Mers-CoV ist der Eintritt in das Gehirn bereits experimentell belegt – auch für das aktuelle Coronavirus Sars-CoV-2 könnte dies möglich sein. Eindeutige Belege gibt es bisher jedoch noch nicht.

Jeder dritte Patient hat neurologische Symptome

Die Huazhong-Universität in Wuhan wertete die elektronischen Krankenakten von über 200 Patienten aus, die zu Beginn der Epidemie in Wuhan wegen Covid-19 behandelt wurden: Insgesamt wurden bei mehr als 35 Prozent der Patienten neurologische Symptome beschrieben. Knapp 17 Prozent litten unter Schwindel, mehr als 13 Prozent unter Kopfschmerzen und rund 5 Prozent unter Geschmacks- oder Riechstörungen. Bei schweren Verläufen waren die neurologischen Beschwerden mit mehr als 45 Prozent häufiger als bei Patienten mit milden Verläufen, von denen nur etwa 30 Prozent entsprechende Symptome aufwiesen. Bei sechs Patienten kam es zu einem Schlaganfall.

Bei den an Covid-19 verstorbenen Menschen wurden zudem schwere neurologische Komplikationen dokumentiert: Bei 20 Prozent der Verstorbenen hatten die Ärzte vor dem Tod eine hypoxische Enzephalopathie diagnostiziert. Diese entsteht in Folge eines massiven Sauerstoffmangels im Gehirn – die Folge sind schwerste Störungen der Hirnfunktion. Zum Vergleich: Bei den 161 Patienten, die sich von Covid-19 erholten, trat nur eine solche Komplikation auf.

Neurologische Komplikationen möglich

Derzeit machen außerdem zwei Fallberichte aus den USA ähnliche Beobachtungen: Eine 50-jährige Frau litt unter Husten, Fieber und Verwirrtheit – zunächst testeten die Ärzte aufgrund der neurologischen Beschwerden auf Influenza. Nach einem negativen Testergebnis wurde schließlich auf Sars-CoV-2 getestet: mit Erfolg. CT und MRT zeigten anschließend Veränderungen im Gehirn, die zu Signalabschwächungen führen. Außerdem wurden Hinweise auf Einblutungen gefunden. Die Ärzte diagnostizierten schließlich eine akute nekrotisierende hämorrhagische Enzephalopathie. Diese ist beispielsweise als seltene Komplikation von anderen Viruserkrankungen wie Influenza bekannt.

Ein weiterer Fall ereignete sich bei einem 74-jährigen Patienten in den USA: Auch er klagte über Husten und Fieber. Da er bereits verschiedene Vorerkrankungen hatte – darunter COPD, Vorhofflimmern, Schlaganfall und Morbus Parkinson – vermutete man zunächst keine Sars-CoV-2-Infektion und entließ ihn nach Hause. Am Folgetag zeigten sich jedoch zunehmende Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen und Verwirrtheit. Ein anschließender Abstrich auf Sars-CoV-2 fiel schließlich positiv aus. CT und Liquoranalyse waren bei ihm jedoch unauffällig. Experten raten daher, bei Patienten mit zentralnervösen Symptomen frühzeitig an die Möglichkeit einer Sars-CoV-2-Infektion zu denken. Neurologische Symptome könnten allerdings auch nicht durch das Virus selbst ausgelöst werden, sondern die indirekte Folge der Infektion sein.

Ähnlich sieht es mit Herzmuskelschäden durch Covid-19 aus: Sars-CoV-2 könnte neuesten Erkenntnissen zufolge das Herz schädigen und das Risiko für einen tödlichen Ausgang erhöhen. In China konnten bei der Aufnahme von Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen zum Teil massive kardiale Schädigungen beobachtet werden. Gemessen wurde dies anhand des „hochempfindlichen Troponin I“ (hs-TnI) – einem wichtigen Marker. Es ist jedoch unklar, ob dies eine direkte Folge der Viruserkrankung ist, oder ob es lediglich mit dem kritischen Zustand der Patienten einhergeht.

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