Blutdruckabfall unter Makroliden

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Berlin -

Kanadische Wissenschaftler warnen vor der Wechselwirkung von Calciumkanalblockern mit Makrolid-Antibiotika: Bei gleichzeitiger Einnahme könnten gefährliche Hypotensionen und Schockzustände auftreten. Denn Clarithromycin und Erythromycin hemmen das Leberenzym P450 CYP3A4, über das die Antihypertonika verstoffwechselt werden. Werden Amlodipin, Felodipin, Nifedipin oder Diltiazem nicht ausreichend abgebaut, kann deren Wirkung steigen.

Für die Untersuchung hatten die Forscher der Universität Toronto Behandlungsunterlagen von knapp einer Million Menschen ausgewertet, die älter als 66 Jahre und zwischen 1994 und 2009 mit Calciumkanalhemmern behandelt worden waren. 7100 Patienten mussten in diesem Zeitraum wegen Hypotonien im Krankenhaus behandelt werden, 131 davon hatten in der Woche vor der Hospitalisierung Makrolide eingenommen.

Bei Erythromycin erhöht sich laut Studie das Risiko für einen Blutdruckabfall um das Sechsfache, bei Clarithromycin um das Vierfache. Das liegt den Wissenschaftler zufolge daran, dass Erythromycin das Enzym stärker hemmt. Keinen Einfluss auf die Aktivität von CP3A4 hat dagegen Azithromycin.

Gerade ältere Personen könnten durch eine Hypotonie zu Schaden kommen; ihnen könnte schwindelig werden und sie könnten stürzen, erläutern die Forscher. Jüngere Patienten seien dagegen eher in der Lage, einen Blutdruckabfall zu tolerieren.

Die Interaktion werde bislang nicht ausreichend beachtet, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin „Canadian Medical Association Journal“. Dabei sei es nicht unwahrscheinlich, dass Patienten, die mit den Blutdrucksenkern behandelt würden, zu irgendeinem Zeitpunkt ein Antibiotikum bräuchten. Die Forscher empfehlen daher, auf Azithromycin auszuweichen.

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