Antidepressiva: Neue Warnhinweise

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Anfang des Jahres wurde im Zusammenhang mit SSRI auch ein erhöhtes Suizid-Risiko diskutiert: Die NDR-Sendung Visite nahm sich dem Thema an. Demnach entwickeln einige Patienten den „Suizid-Wunsch“ erst während der Behandlung mit solchen Antidepressiva. Im Beitrag kamen mehrere Experten zu Wort. Das Fazit: Antidepressiva würden zu oft und zu sorglos verschrieben. Der Suizid-Forscher Professor Dr. Bruno Müller-Oerlinghausen wertete in diesem Zusammenhang Daten von 250.000 Menschen, die mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) behandelt wurden, aus – 85 der Patienten wurden durch die Arzneimitteltherapie suizidal.

Die Wirkung der SSRI beruht auf einer selektiven Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin durch die präsynaptischen Nervenzellen. Die Konzentration des Neurotransmitters im synaptischen Spalt steigt – Ängste, Traurigkeit, Antriebslosigkeit und Depression werden vermindert. Die Fähigkeit, im Alltag zu funktionieren, werde erhöht, jedoch werde auch in einigen Fällen der Wunsch nach Selbstmord gesteigert: Ein bekanntes Problem bei Antidepressiva. Gefährlich wird es vor allem, wenn bei schwer depressiven Menschen nur der Antrieb gesteigert wird, nicht aber die Stimmung. Hinzu kommt, dass die antidepressive Wirkung erst nach einigen Wochen einsetzt, während die aktivierenden Effekte meist schnell sichtbar werden. Die Folge: Die Patienten sind zwar immer noch depressiv, haben aber mehr Energie und setzen ihren Selbstmordgedanken in die Tat um

In Deutschland leiden schätzungsweise mehr als vier Millionen Menschen an einer Depression. Die Betroffenen fühlen sich niedergeschlagen, antriebs- und interesselos und haben unter anderem Schlafstörungen und sind in ihrer Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Je nach Schwere der Krankheit können Suizidgedanken auftreten. Die Wirkung der indizierten Arzneimittel setzt oft erst nach Wochen ein, diese „Wartezeit“ ist für die Depressiven häufig mit einer zusätzlichen Belastung verbunden.

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