Kriminell und gewaltbereit durch SSRI?

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Berlin -

Patienten, die mit Antidepressiva aus der Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) behandelt werden, könnten über eine höhere Gewaltbereitschaft verfügen. Eine bevölkerungsbasierte Studie gibt Hinweise auf vermehrte kriminelle Handlungen unter der Therapie. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „European Neuropsychopharmacology“ veröffentlicht. In der Vergangenheit sind SSRI schon häufiger aufgrund ihrer Nebenwirkungen in den Fokus geraten.

Die Wirkstoffgruppe der SSRI kommt bei verschiedenen Beschwerdebildern zum Einsatz: Sie können sowohl zur Behandlung wie auch zur Prophylaxe von psychischen Erkrankungen wie Major-Depressionen, Panikstörungen, Zwangs-und Angststörungen sowie bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) angewendet werden. Zu den Wirkstoffvertretern auf dem deutschen Markt zählen Sertralin, Citalopram und Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Fluvoxamin. Die Wirkstoffe hemmen die Wiederaufnahme des Neurotransmitters Serotonin (5-HT) im synaptischen Spalt. Dadurch steigt die Serotonin-Konzentration zwischen den Neuronen an, die Signalübertragung verbessert sich.

Nebenwirkungen nicht unterschätzen

Gegenüber trizyklischen Antidepressiva haben SSRI eine deutlich geringere Affinität zu anderen Rezeptoren wie Histamin- und Muskarinrezeptoren. Daher sind die SSRI in der Regel besser verträglich. Dennoch kann es zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall oder auch Müdigkeit, Schwindel oder Mundtrockenheit kommen. Ein weiteres Risiko stellt zudem das sogenannte „Serotoninsyndrom“ dar, das unter der Einnahme auftreten kann: Typische Symptome sind vermehrtes Schwitzen, Hyperreflexe, Tremor und Fieber. Außerdem kann es zu Verhaltens- oder Bewusstseinsstörungen kommen. Das Risiko einer solchen Nebenwirkung ist besonders hoch in Kombination mit Wirkstoffen, die ebenfalls den Abbau von Serotonin beeinflussen, wie beispielsweise MAO-Hemmer.

Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass die Einnahme von SSRI auch die Gewaltbereitschaft beeinflussen kann. Forscher des Karolinska Instituts in Stockholm haben sich dafür die Daten von knapp 800.000 Schweden im Alter von 15 bis 60 Jahren zur Hilfe genommen. Allen wurde zwischen 2006 und 2013 zumindest zeitweise ein SSRI verordnet, die Patienten wurden durchschnittlich sieben Jahre nachbeobachtet.

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