Antibiotika: Immunantwort bei Babys geschwächt | APOTHEKE ADHOC
Antibakterielle Wirkstoffe beeinflussen Antikörper

Antibiotika: Immunantwort bei Babys geschwächt

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Berlin -

Kinder in einem Alter von bis zu zwei Jahren, reagieren mit einem geringeren Antikörperspiegel auf Impfungen, wenn gleichzeitig Antibiotika eingenommen werden. Die robuste Immunantwort auf gängige Impfungen wird verhindert. Dies stellt einen weiteren Grund gegen die übermäßige Einnahme von Antibiotika dar.

Kinder bekommen in den ersten beiden Lebensjahren wichtige Immunisierungen gegen Infektionskrankheiten. In dieser Zeit sind sie aber verhältnismäßig häufig krank. Kinderärzte greifen vermehrt auf Antibiotika gegen bakterielle Infektionen zurück. Die Einnahme beeinflusst jedoch immer die Darmflora des Kindes. Forscher:innen fanden heraus, dass die Immunantworten der ersten Impfserien (Polio, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Pneumokokken und Haemophilus influenzae B) mit jedem Antibiotika-Zyklus um fünf bis elf Prozent fielen. Im zweiten Lebensjahr sanken die Antikörperspiegel, die durch die Auffrischungsimpfungen dieser Impfstoffe erzeugt wurden, um 12 bis 21 Prozent pro Zyklus.

Darmflora beeinflusst Immunreaktion

Bestätigt wurde, dass die Menge und Vielfalt der Bakterien im Darm die Impfwirkung beeinflusst. An Mäusen wurde in einer Studie getestet, wie Antibiotika die Reaktion des Immunsystems auf Impfstoffe behindern können. Eine abgeschwächte Immunreaktion konnte auch bei Erwachsenen, in einer kleinen Studie zu Grippeimpfstoffen, beobachtet werden.

Antikörperspiegel zu niedrig

Prof. Dr. Michael Pichichero vom Forschungsinstitut des Rochester General Hospital in New York und seine Kollegen entnahmen Blutproben von 560 Kindern. Davon waren 342 Kindern fast 1700 Antibiotika verschrieben worden. Die anderen 218 Kinder hatten keine Medikamente bekommen. Sie analysierten, ob die durch Impfstoffe induzierten Antikörperspiegel noch für einen Schutz reichten. Dabei stellten sie fest, dass die Werte bei den Kindern, die Antibiotika erhalten hatten, häufiger zu niedrig waren. Die pädiatrische Studie, die einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Antibiotika und einem beeinträchtigten Ansprechen auf Impfungen bei Kindern aufzeigt, ist die erste dieser Art.

Antibiotika spezifischer einsetzen

Art und Dauer der Antibiotikabehandlung spielten ebenfalls eine Rolle. Breitspektrum-Antibiotika bewirkten Antikörperspiegel unterhalb der Schutzwirkung. Bei zielgerichteteren Antibiotika war dies nicht festzustellen. Eine zehn-tägige Einnahme reduzierte die impfinduzierten Antikörperspiegel. Bei einer Einnahmedauer von fünf Tagen war dies nicht der Fall. „Antibiotika sind Wundermittel“, betonte Pichichero abschließend. „Diese Studie impliziert in keiner Weise, dass Kinder, die ein Antibiotikum benötigen, es nicht bekommen sollten.“ Aber wenn möglich sollten sie ein zielgerichtetes Antibiotikum für einen kürzeren Zeitraum erhalten.“ Es muss bedacht werden, dass bei übermäßigem Gebrauch dieser Medikamente Resistenzen entstehen können. Daneben müssen die Auswirkungen, die Antibiotika auf die impfstoffinduzierte Immunität haben könnten, beobachtet werden.

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