Alternativen zur Standardtherapie

Antibiotika: Apotheken sollen Vorschläge machen

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Berlin -

Penicillin, Amoxicillin und andere Antibiotika sind derzeit von nicht enden wollenden Lieferengpässen betroffen. Oftmals müssen sich Apotheken mit verzweifelten Eltern auseinandersetzen und aufwendige Telefonate mit Arztpraxen führen, um Alternativen für die fehlenden Wirkstoffe zu finden. Erleichterungen soll eine Tabelle der deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) schaffen: So kann die Apotheke der Praxis direkt verfügbare Alternativen nennen.

Der DGKJ hat eine Tabelle zur Verfügung gestellt, die eine Übersicht zu indikationsbezogenen Therapien für mögliche Antibiotika darstellt. Aufgeführt sind antibiotische Wirkstoffe, die aufgrund von aktuellen Lieferengpässen nicht lieferbar sind. Eine Möglichkeit für die Apotheken wäre es, vor ärztlichen Rücksprachen einen Abgleich mit der eigenen Lagerware vorzunehmen. Die Tabelle dient zur Orientierung, um einen konkreten Alternativvorschlag bei einem Lieferengpass zu unterbreiten.

Im Einzelfall sind die Indikationen, Wechselwirkungen, die Pharmakokinetik, Kontraindikationen sowie patientenindividuelle Faktoren zu berücksichtigen. Dazu sollte ein Blick in die entsprechenden Fachinformationen erfolgen. Vor einem Austausch ist immer Rücksprache mit Arzt oder Ärztin zu halten.

Die Tabelle erhebt dabei laut DGKJ keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei fehlenden Suspensionen oder Granulat mit antibiotischen Wirkstoffen die Möglichkeit der Gabe von teilbaren Tabletten besteht. Aus diesen könne notfalls eine Suspension angefertigt werden. Ausführliche Informationen und die komplette Tabelle zur Einsicht gibt es hier.

Wirkstoffalternativen zur Standardtherapie

Anhand der Indikation erfolgt üblicherweise eine festgelegte Standardtherapie mit dem jeweiligen Wirkstoff. So wird eine Tonsillitis beziehungsweise Infektion mit Streptokokken A standardmäßig mit Penicillin V behandelt. Als erste Alternative käme aber auch Amoxicillin infrage. Da auch dieses Antibiotikum massiv von den Engpässen betroffen ist, kann als zweite Alternative Clindamycin oder als dritte Möglichkeit Cefaclor gewählt werden.

Ähnlich erfolgt die Vorgehensweise bei einer erworbenen Sinusitis oder einer Mittelohrentzündung. Der Wirkstoff der Standardtherapie ist Amoxicillin: Erste Alternative wäre Ampicillin-Sulbactam und zweite der Wirkstoff Cefaclor.

Wichtig: Apotheken dürfen aufgrund der Corona-Bestimmungen nach Rücksprache mit dem Arzt einen Aut-simile-Austausch durchführen. Bedingung: Weder das verordnete Medikament noch ein wirkstoffgleiches Präparat ist verfügbar oder lieferbar.

Dieser Austausch wird durch die Sars-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung ermöglicht. Gültig ist diese nach aktuellem Stand bis zum 7. April. In der Apothekerschaft werden die Stimmen lauter, dass die erleichternde Abgaberegelung angesichts der zunehmenden Lieferengpässe dauerhaft gilt.

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