Zugspitz-Apotheke: Jubiläum ohne Touristen | APOTHEKE ADHOC
Ruhe auf dem Berg

Zugspitz-Apotheke: Jubiläum ohne Touristen

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Berlin -

Ein Jahr ist Alena Stühler nun Inhaberin der am höchsten gelegenen Apotheke Deutschlands. Doch ihr Jubiläum in der Zugspitz-Apotheke in Grainau konnte sie nicht groß feiern: Es ist Corona-Krise. Die Berge sind leer, Touristen kommen nicht mehr, entsprechend ruhig ist es in der Apotheke. Aber Stühler lässt sich nicht unterkriegen.

Eigentlich könnten die Einwohner von Grainau die Ruhe genießen. „Es gibt auch Leute, die sagen ‚Endlich haben wir die Berge mal für uns!‘“, erzählt Stühler. „Aber so denke ich nicht. Meine Mutter betreibt ein Gästehaus, deshalb bin ich mit Touristen aufgewachsen und bin sie gewöhnt.“ Es wäre auch schlecht, wenn sie ein Problem mit Touristen hätte, schließlich machen die einen darstellbaren Teil ihrer Kundschaft aus – eigentlich. Doch seit Ende März ist Ruhe auf dem Berg, Mitte April dann wurde der Tourismus-Stopp im Freistaat mit der „Zweiten Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung“ besiegelt: Seitdem ist der Betrieb von Hotels und Beherbergungsbetrieben und die Zurverfügungstellung jeglicher Unterkünfte zu privaten touristischen Zwecken untersagt. Ausgenommen sind Hotels und Unterkünfte jeglicher Art, die ausschließlich Geschäftsreisende und Gäste für nicht private touristische Zwecke aufnehmen. Noch mindestens bis zum 10. Mai wird das auch so bleiben.

„Am Anfang waren noch Touristen da, die ihren Urlaub sowieso hier verbracht haben“, erinnert sich Stühler. „Aber dann hieß es irgendwann, die müssen nach Hause geschickt werden.“ Seitdem ist Ruhe auf der Zugspitze. Das heißt aber nicht, dass es auch die ganze Zeit in der Zugspitz-Apotheke ruhig war. „Dann gab es nochmal einen Run, als sich alle mit Paracetamol eingedeckt haben – teilweise mit utopischen Mengen, zehn Packungen pro Person. Das ging so lange, bis wir gesagt haben, dass Schluss damit ist.“ Als alle hatten, was sie brauchten, nahm die Kundenzahl wieder ab.

„Die Berge sind auch ohne Touristen schön. Wenn man allerdings von ihnen lebt, ist das keine schöne Situation“, so Stühler. Denn das betrifft zahlreiche Betriebe in Grainau, von Pensionen und Gastronomie bis zu Sportgeschäften. Auch die Zugspitz-Apotheke merkt das, wenn auch geringerem Maße.

„Wir haben, Gott sei Dank, viele Stammkunden hier aus der Gegend, die nach wie vor kommen“, sagt Stühler. Auch sie habe einen Umsatzeinbruch zu spüren bekommen. „Aber ich denke, wenn man einigermaßen vernünftig wirtschaftet, kann man das gut überbrücken. Panik herrscht hier jedenfalls nicht.“ Dass ab dem 10. Mai alles wieder wie zuvor ist, glaubt natürlich niemand. „Aber wir hoffen, dass die Maßnahmen ab Juni etwas gelockert werden. Es wird ja gemunkelt, dass der Tourismus im Norden und im Süden von Deutschland wieder zugelassen wird – also dass die aus dem Norden im Süden Urlaub machen können und umgekehrt.“ Und tatsächlich hat am Mittwoch bereits Mecklenburg-Vorpommern angekündigt, noch vor Pfingsten das mehrwöchige Einreiseverbot für Touristen zu beenden und die Zügel für das Gastgewerbe zu lockern. Die bayerische Landesregierung geht noch nicht so weit – aber die Hoffnung wächst.

Auf die neue Situation hat sich Stühler eingestellt wie die meisten Kollegen, mit Plexiglas, Atemschutzmasken und verstärktem Botendienst – wobei letzterer der Inhaberin zufolge kaum genutzt wird. „Die Leute sind ja froh, wenn sie mal rauskommen“, sagt sie. In großen Zahlen Covid-19-Patienten beliefern muss sie glücklicherweise nicht. „Gott sei Dank ist unser Landkreis bisher relativ verschont geblieben, wir haben nur wenige Todesfälle.“ Dennoch muss das Team anders als in den meisten anderen Bundesländern auch hinter dem Plexiglas Masken tragen, denn in Bayern sind die Vorschriften strenger als anderswo. „Bei uns geht das, weil wir viele Teilzeitkräfte haben“, sagt Stühler. „Aber wenn man die Maske den ganzen Tag tragen muss, bis sie feucht ist, ergibt das gesundheitlich wirklich wenig Sinn.“ Allerdings, so wendet sie ein: „Es wäre halt schwierig, den Kunden zu erklären, warum sie eine tragen müssen und wir mit unserer Vorbildfunktion nicht.“

Ein besonderer Wermutstropfen war ihr erster Jahrestag: Im April 2019 hat sie die Zugspitz-Apotheke nämlich übernommen und wollte das entsprechend begehen. „Eigentlich wollte ich eine kleine Feier mit Sektempfang und Häppchen machen, aber das ist leider ins Wasser gefallen.“ Das hofft sie nun, später nachholen zu können. „Ich denke ja nicht, dass das noch ein ganzes Jahr so weitergehen wird.“

 

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