Alle neun Tage

Zu viele Notdienste: Inhaberin gibt Filiale auf

, Uhr
Berlin -

Lange hat Katharina Rorer gehofft, ihre Forst Apotheke weiter betreiben zu können. Doch bei der Suche nach einer Filialleitung stand immer ein Gegenargument im Raum – die hohe Frequenz beim Notdienst. „Alle neun Tage Dienst ist eine Belastung, die Apotheker abschreckt“, sagt sie. Mehrere Anträge und Einsprüche bei der Kammer, die Nacht- und Notdienste neu zu strukturieren, blieben erfolglos. Dort sieht man das Problem, hat aber noch keine Lösung.

Rorer übernahm die Forst Apotheke im Dezember 2016 als ihre Hauptapotheke. Der damalige Inhaber suchte lange nach einer Nachfolger:in. Der Kontakt kam per Zufall zustande und die damalige Leiterin einer Filialapotheke in Augsburg zog mit ihrer Familie aufs Land. „Ich bereue es nicht, die Apotheke läuft super und die Kunden sind sehr nett.“ Vor zwei Jahren übernahm sie die Bären-Apotheke und machte sie zu ihrem Hauptstandort.

Ende der Woche wird die Forst Apotheke im oberbayerischen Hohenlinden vorübergehend schließen. „Definitiv“, sagt Rorer bestimmt. Die hohe Zahl der Notdienste sei einer von mehreren Gründen, weshalb es nicht mehr funktioniere. Die Apothekerin hat genug von der Personalsuche und den vielen Diensten, die der Wegfall ihrer Filialleitung mit sich brachte. Immerhin führe sie noch die Bären-Apotheke in Grafing. „Ich kann nicht dort arbeiten und gleichzeitig die Dienste in Hohenlinden machen. Seit fünf Jahren arbeite ich einmal in der Woche 36 Stunden durch.“ Deshalb habe sie die Bayerische Landesapothekerkammer (BLAK) über ihre Situation informiert und eine Dienstbefreiung oder eine Anpassung des Bezirks gefordert.

„Natürlich wünscht man sich in dieser Situation von der Standesvertretung Unterstützung. Manchmal ist die nächste Notdienstapotheke keine zehn Kilometer entfernt.“ Ihre letzte Rückmeldung aus München war, dass man den Fall besprechen wolle. „Ich frage mich, wie die sich das vorstellen.“ Rorer vermisst Verständnis für ihre Situation. Apotheker:innen hätten oft ein „aufopferndes Wesen“, sagt sie über sich. „Das schlaucht.“

Apothekerin an der Belastungsgrenze

Die Apothekerin zeigte eine „vorübergehende Schließung“ an. „Mir tut es im Herzen weh, die Apotheke aufgeben zu müssen.“ Jetzt ist sie sogar soweit, dass sie die Filiale verkaufen will: „Für mich alleine ist die gesundheitliche Belastung mittlerweile so groß, dass ich die Apotheke auch abgeben würde.“ Die Notdienstkreise müssten angesichts der Schließungen anders verwaltet werden, fordert sie. Ihr nächster Dienst ist für morgen eingetragen, auch für den Sonntagsdienst am 6. Februar listet die Kammer noch die Forst Apotheke.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Großhandelskonditionen auf einen Blick»
Pharmazeutische Dienstleistungen
PharmDL: Warten auf den Schiedsspruch»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»