Ausgebucht bis Ende Oktober

Vertretungsapothekerin: „Am meisten Angst vor 2021“

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Berlin -

Die Pandemie hat den Alltag von Nadina Martins auf den Kopf gestellt. Die Vertretungsapothekerin erlebte in den vergangenen beiden Jahren ein Auf und Ab. Als zahlreiche Inhaber:innen begannen, ihre Aufträge stornieren zu wollen, sah sie ihre Selbstständigkeit in Gefahr. „Im Sommer 2020 sind meine Buchung für 2021 komplett weggeblieben“, sagt sie. Am Ende kam alles anders.

Vor fast vier Jahren verabschiedete sich Martins aus dem Angestelltenverhältnis. „Mir wurde ‚langweilig‘ in der Apotheke“, sagt sie. Nach Tätigkeiten als Filialleiterin machte sich die heute 31-Jährige im März 2018 komplett selbstständig. Auf eine Vermittlungsagentur verzichtete sie. „Für mich stand die Flexibilität im Vordergrund, ich wollte entscheiden, wann, wo und für wie lange ich arbeite.“

„Man muss organisiert sein“

Der Weg in die Selbstständigkeit sei leichter als erwartet gewesen. „Apotheker müssen kein Gewerbe anmelden. Ich habe meine freiberufliche Tätigkeit beim Finanzamt, bei der Kammer und beim Versorgungswerk gemeldet“, sagt sie. Seitdem schreibt sie selbst die Rechnungen und führt die Umsatzsteuer ab. „Man muss organisiert sein, allein wegen der Terminplanung. Das ist vielleicht ein Grund, weshalb es viele über eine Agentur machen.“

Martins aktivierte alte Kontakte und bekam viel positives Feedback. Sie spezialisierte sich auf Chefvertretungen, die sie etwa ein dreiviertel Jahr im Voraus plant. Als die ersten Coronafälle Anfang 2020 bekannt geworden seien, stieg die Unsicherheit in den Apotheken. Viele Inhaber:innen wollten auf ihre Urlaube verzichten und fragten reihenweise nach einer Stornierung des Auftrags. „Für die Inhaber wurde die Vertretung zur doppelten Belastung. Viele waren aber so nett und haben gesagt, dass sie nicht stornieren, wenn ich nichts anderes finde. Ich habe dann viel hin und her geschoben und hatte viele Spontaneinsätze.“

Zu dieser Zeit des Jahres ist Martins Terminkalender eigentlich bis November mit Aufträgen gefüllt. „Vor 2021 hatte ich am meisten Angst“, sagt sie. Denn die Buchungen seien komplett weggeblieben. „Ich dachte, ich muss wieder als Angestellte arbeiten und dass die Pandemie mein Business zerstört hat.“ Sie suchte nach einem Plan B und bewarb sich im Impfzentrum. „Rückblickend war das für meine berufliche Entwicklung sehr gut.“ Seit März impft sie gegen Covid-19.

Anfang 2021 sei es zu immer mehr Krankheitsfälle in Apotheken wegen Corona gekommen. „Es waren ganze Teams in Quarantäne. Viele Inhaber hatten Angst, ihre Apotheke schließen zu müssen.“ Die Stimmung kippte und ging in das nächste Extrem. „Auf einmal konnte ich mich vor Aufträgen nicht retten.“ Die Angst, 2021 ohne Job dazustehen, sei verschwunden gewesen. Im vergangenen Jahr seien soviele Anfragen wie noch nie eingegangen. „Ich konnte nicht alle bedienen und habe 30 bis 40 Prozent mehr gearbeitet als zu Vor-Pandemiezeiten.“

Apotheker-Ehefrauen rufen an

Die Nachfrage der Inhaber:innen nach einer Vertretung ist nach wie vor groß: „Alle sind motiviert und wollen weg. Die Impfungen geben den Menschen Sicherheit und viele Kolleg:innen haben viel gearbeitet und brauchen Erholung. Mich rufen sogar die Ehefrauen der Apotheker an.“ Doch bis Ende Oktober ist sie ausgebucht. Auch nach der turbulenten Coronazeit ist die Arbeit als freiberufliche Apothekerin ihr Traum. „Für mich war es die beste Entscheidung.“ Eine eigene Apotheke zu leiten komme momentan nicht in Frage. „So bin ich auch selbstständig, ohne große Probleme und kann super abschalten und mir meine Zeit selbst einteilen.“

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