Umstrittene Kontrolle

Undercover gegen Komasaufen

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In Großbritannien sollen Undercover-Agenten die alljährlichen Adventsbesäufnisse eindämmen. Wirten drohen Geldstrafen von umgerechnet 150 Euro, wenn sie an bereits angetrunkene Gäste weiter Alkohol ausschenken. Pub-Betreiber laufen Sturm gegen den Einsatz der polizeilichen „Saufpasser“. Besonders umstritten ist ein Katalog von Kriterien, der den verdeckten Kontrolleuren helfen soll, die Grenzüberschreitung vom geselligen Trinken zum „Komasaufen“ zu verhindern.

Von „spürbare Veränderungen im Benehmen“ ist in den vom Innenministerium abgesegneten Richtlinien die Rede, von „ungestümen“ Gästen und solchen, die „nicht mehr deutlich sprechen“. „Wenn man alle diese Kriterien auf einen durchschnittlichen britischen Pub anwendet, dann könnte ja fast jeder Gast rasch als Betrunkener eingestuft werden“, sagte ein Sprecher der Wirtsverbandes.

In Großbritannien sind die weihnachtlichen Pub-Partys ein wachsendes Problem für den staatlichen Gesundheitsdienst NHS: Seit vor zwei Jahren in England die 23.00-Uhr-Sperrstunde gefallen sei, habe sich die Zahl alkoholbedingter nächtlicher Notaufnahmen in den Krankenhäusern um 16 Prozent erhöht. Angesichts dessen mehren sich Stimmen, die von Premierminister Gordon Brown die Wiedereinführung der Sperrstunde fordern. Zu jenen, die vor der Aufhebung der Sperrstunde gewarnt hatten, gehörte auch Tony Booth, der Schwiegervater des damaligen Premierministers Tony Blair. Die Briten hätten nun einmal keine vernünftige Alkohol-Kultur: „Wir trinken auf primitive, Furcht erregende angelsächsische Art. Wir trinken, um besoffen zu werden“, hatte Ex-Trinker Booth erklärt.

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