Baby- und Tierpflege

Tausende Euro: Apothekerin investiert in Online-Business

, Uhr
Berlin -

Apotheken können sich mit selbsthergestellten Produkten auch überregional einen Namen machen. Gerade im Bereich Kinderheilkunde bieten viele Kolleginnen und Kollegen eigene Lösungen an. Angelika Wallis aus Ingolstadt stellt seit knapp 30 Jahren Pflegeprodukte für Babys und Mütter her. Was als Wohltat für den eigenen Nachwuchs begann, entwickelte sich über die Zeit bei Hebammen und Kinderärzt:innen zum Renner. Jetzt investiert die 57-Jährge Tausende von Euro und startet eine Online-Offensive.

Seit 1994 ist Wallis selbstständig und führte zwischenzeitlich zwei Apotheken in Ingolstadt. Seitdem begleitet sie Familien durch die Erkältungszeit. Die Apothekerin und ihr Team beraten bei schlaflosen Nächten und helfen, Sorgen zu lindern. Dabei spielen die eigenen Mukisoft-Produkte eine große Rolle.

Die Idee dahinter entstand aus der Not heraus, als 1997 erstmals Kundschaft auf die Inhaberin der Sonnen-Apotheke zukam und sich nach Alternativen im Bereich Babykosmetik erkundigte. „Ich wurde gefragt, ob ich nicht ein Bauchmassageöl selber mischen kann, da man den Produkten auf dem Markt wegen der Zusatzstoffe nicht vertraute. Auch eine Hebamme kam damals auf mich zu und bestellte eine Baby-Popo-Creme ohne Zink.“

Zwölf Produkte im Sortiment

Was damals für einzelne Kundinnen und Kunden hergestellt wurde, entwickelte sich dank Mundpropaganda in der Region schnell zu Lieblingsprodukten. „Aus dieser täglichen Arbeit sind im Lauf der Jahre unsere eigenen Rezepturen entstanden. Sanft, natürlich und wirksam, genau für die Bedürfnisse, für die es am Markt kaum passende Produkte gab.“

Das Portfolio ist bis heute auf insgesamt zwölf Produkte gestiegen, die seit 2000 über eine eigene GmbH als Kosmetik hergestellt werden. Angeboten werden unter anderem Baby Popo Creme, Wundsalbe, Engelwurz Nasenbalsam, Thymian Myrte Balsam, Narbencreme oder Lippenpflege.

Zwischenzeitlich lief es sehr gut mit den Verkäufen. Ein separates pharmazeutisches Team stellt die Produkte her. Seit 2024 bietet Wallis unter der Marke „Gustl“, dem Namen ihres Hundes, auch Aromapflege für Hunde, Katzen und Pferde an. „Als Gustl vor zwei Jahren böse von einem anderen Hund gebissen wurde, ist die Wunde nicht gut geheilt. Ich habe dann die Wundsalbe für Babys benutzt und es war nach zwei Tagen zu“, erklärt die Apothekerin, wie es zur Linie für Tiere kam.

Knackpunkt Marketing

Im Januar will sie mit ihrem Team mit einem neuen Online-Shop mehr Verbraucher:innen ansprechen. Hilfe bekommt sie unter anderem von ihrer Tochter. Auch wenn das Sortiment lange nicht so breit ist, erinnert das Angebot an die Produkte der Bahnhofs-Apotheke Kempten oder der Ziethenapotheke in Berlin. Das weiß auch Wallis, will sich mit den Mitbewerbern aber gar nicht vergleichen. „Ich koche immer meine eigene Suppe und möchte mich auf mich konzentrieren.“

Fachwissen bringen Wallis und ihr Team mit, was fehlt, sind Marketing-Kenntnisse. Gerade die Bewerbung des Internet-Shops und die Platzierung der Marke seien sehr zeitaufwendig. Wallis nahm jetzt viel Geld in die Hand, um ihrem Herzensprojekt neuen Schwung zu verleihen. Zwischenzeitlich seien die Umsätze auch einmal eingebrochen, weil es an Rohstoffen mangelte und Produktionsgeräte defekt gewesen seien. „Ich war frustriert und habe es etwas schleifen lassen.“

Als der Steuerberater sie daraufhin wies, dass sie das Projekt anpacken müsse oder sein lassen solle, wurde ihr Unternehmerinnengeist neu geweckt. „Es ist mein Baby, meine drei Kinder sind damit aufgewachsen, waren meine Versuchskaninchen“, sagt sie. Auch die 33 Kinder aller Teammitglieder hätten Mukisoft bekommen. „Das sind zum einen Mütter und pharmazeutische Fachkräfte, die wissen, wovon sie reden.“

Apothekerin investiert in Business

Deshalb griff Wallis jetzt „nochmal tief in die Tasche“, wie sie sagt. „So ein Shop kostet schon mal 10.000 Euro.“ Dazu kämen Investitionen in neue Maschinen und Mitarbeiter, die sie beim Online-Marketing unterstützen sollen.

Wichtig sei ihr, dass ihre Produkte mit „echter Expertise aus der Apotheke“ hergestellt würden. Zudem könnte sie sich gut vorstellen, die Produkte als Eigenmarke für andere Apotheken anzubieten. Dafür muss sie noch Organisatorisches wie die Herstellung individueller Etiketten klären.

Guter Journalismus ist unbezahlbar.
Jetzt bei APOTHEKE ADHOC plus anmelden, für 0 Euro.
Melden Sie sich kostenfrei an und
lesen Sie weiter.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Mehr zum Thema
„Sie sollten über Apothekenleistung berichten“
Apothekenbashing: Inhaberin kontert NDR
Podcast NUR MAL SO ZUM WISSEN
Das langsame Sterben der Versandapotheken