Verbrauchertäuschung

Superfood: Original oder Fälschung? dpa, 12.03.2018 13:55 Uhr

Berlin - Die mildgrünen getrockneten Blättchen in der Tüte auf dem Labortisch des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) riechen nach Heu und sehen unauffällig aus. Moringa olifera soll das sein, eine extrem nährstoffreiche Pflanze aus Nordindien und als sogenanntes Superfood schwer in Mode. Aber steckt wirklich diese Moringa-Art in der Tüte? Die Firma, die sie vertreibt, will es vom KIT-Zellbiologen Professor Dr. Peter Nick genau wissen. Zur Sicherheit. Denn immer wieder verbergen sich hinter exotischem Superfood wie Chia-Samen, Goji-Beeren und Tulsi andere Pflanzen als auf der Verpackung deklariert. Das ist bestenfalls Täuschung der Verbraucher. Schlimmstenfalls kann es schädlich sein.

„Wenn ein Superfood in Mode kommt, entsteht in kurzer Zeit eine hohe Nachfrage“, erklärt Nick. „Es gibt inzwischen einen riesigen Markt für solche Heilpflanzen, die eigentlich nur in bestimmten Regionen vorkommen.“ Importeure suchen dringend Nachschub – die Folge sei ein blühender Plagiate-Handel. Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sieht das ähnlich. „Man muss sich bei den plötzlich nachgefragten Mengen von Superfoods schon fragen, wo diese eigentlich herkommen“, sagt sie. „Denn so schnell lassen sich Anbaugebiete ja nicht aus dem Boden stampfen.“

Nick nahm die Diskrepanzen zwischen tatsächlicher Ernte und den Exportmengen zum Anlass, angebliche Superfoods genauer unter die Lupe zu nehmen. Er entwickelte „eine ganze Batterie von Tests“, mit deren Hilfe er die genetischen Barcodes der „echten“ Pflanzen von denen anderer Arten unterscheiden kann und die auch bei Pulver oder getrocknetem Superfood funktionieren. Mithilfe sogenannter Referenzpflanzen ermittelt er den genetischen Fingerabdruck, der zu einem bestimmten Superfood-Gewächs gehört. Will er dann checken, ob die Blätter einer Probe damit identisch sind, startet er ein mehrstündiges Verfahren.

Im Falle des von der Firma gebrachten Moringa-Produktes läuft das so: Ein Löffelchen der verarbeiteten Blätter wird in einen Mörser
bugsiert, mit flüssigem Stickstoff begossen und zermahlen. Eine Lösung kommt hinzu, die DNA wird extrahiert und dann typische
Abschnitte in einem Gerät, dem PCR-Cycler, solange vervielfältigt, bis sie erkennbar sind. Dann werden die Sequenzen auf ein Gel
aufgetragen, in UV-Licht sichtbar gemacht und mit der DNA der Referenzpflanze verglichen.

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