SPD-Mann erlebt Apothekerprobleme hautnah | APOTHEKE ADHOC
Politikerbesuch

SPD-Mann erlebt Apothekerprobleme hautnah

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Berlin -

Seit Monaten bestimmen Lieferengpässe den Alltag in Apotheken. Auch die Berichterstattung in regionalen und überregionalen Medien nimmt immer stärker zu. Viele Apotheker haben jedoch das Gefühl, dass die Politik kein Interesse daran hat, sich mit der Situation vor Ort zu beschäftigen. Immerhin: Der hessische Landtagsabgeordnete Bijan Kaffenberger (SPD) schaute nun in der Darmstädter Apotheke am Klinikum vorbei und informierte sich über das Arbeiten in Zeiten von Lieferengpässen.

Inhaberin Dr. Stephanie Neufeldt hatte für den SPD-Politiker lobende Worte parat. „Gut vorbereitet“ sei Kaffenberger gewesen und „interessante Zwischenfragen“ habe er gestellt. Für eine halbe Stunde erlebte der 30-jährige Landtagsabgeordnete den Alltag in der Apotheke am Klinikum hautnah mit. Trotz Sommerloch genügte das, um die durch Lieferengpässe erheblich erschwerten Arbeitsbedingungen zu demonstrieren.

Als Neufeldt vor einigen Tagen von einer kleinen Anfrage der SPD-Fraktion im Landtag zum Thema Medikamentenengpass erfuhr, „packte“ es sie. Die Apothekerin schrieb die sämtliche Darmstädter Landtagsabgeordnete an und lud diese in ihren Betrieb ein. Antworten bekam sie nicht – außer von Kaffenberger, der sich gleich mit einigen Terminvorschlägen meldete. Wie vereinbart, stattete der SPD-Mann dann auch tatsächlich der Apotheke am Klinikum einen Besuch ab.

Obwohl sie aus dem baden-württembergischen Mannheim jeden Tag ins hessische Darmstadt pendelt, war Neufeldt der Landespolitiker ein Begriff. Schließlich schaffte es Kaffenberger bereits in die überregionale Berichterstattung. Er erlangte durch seine Tourette-Erkrankung, aber vor allem durch seinen Umgang mit ebendieser, bundesweite Bekanntheit. Auf seinem eigenen Youtube-Kanal beantwortet Kaffenberger die Fragen seiner Follower zur Krankheit. Zudem betätigt er sich als Autor und Redner.

Ein Abgeordneter der Regierungsparteien CDU oder Grüne wäre Neufeldt eigentlich lieber gewesen, gibt er zu, schließlich könne die SPD als Oppositionspartei nicht viel ausrichten. Entsprechend niedrig waren ihre Erwartungen. Doch der Politiker überraschte mit umfangreichem Vorwissen und regem Interesse an der Situation der Apothekerin. „Er kannte sich sehr gut mit den Themen Lieferengpässe, Rabattverträge und Rahmenvertrag aus“, so Neufeldt.

Sie zeigte Kaffenberger die aktuellen Defektlisten und wie schwer es ist, Medikamente nachzubestellen. Auch der aus dem Rahmenvertrag resultierende höhere bürokratische Aufwand, der zudem nicht vergütet wird, war Gesprächsthema. Kaffenberger hörte zu, fragte nach und versprach, die Probleme an die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag, Dr. Daniela Sommer, weiterzutragen. Über weitere Fortschritte wolle er Neufeldt persönlich informieren.

Bisher hatte die Apothekerin das Gefühl, dass die Politiker „ihre Entscheidungen am grünen Tisch treffen“, obwohl sie „keine Idee vom Alltag in den Apotheken“ hätten. Nun hofft sie, dass noch mehr Anfragen an den verantwortlichen Landesminister Kai Klose (Grüne) gestellt werden und die Probleme mit Lieferengpässen, Rahmenvertrag & Co. hierüber ihren Weg in die Gesundheitsministerkonferenz finden. Ändern müsse sich auf jeden etwas. „Ich arbeite seit 30 Jahren in der Apotheke und habe viele Verträge und Verordnungen miterlebt. Doch so schlimm wie jetzt war es noch nie“, hofft Neufeldt auf bessere Zeiten.

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