Medikationsmanagement: Apothekerin mit neuem Blickwinkel | APOTHEKE ADHOC
Fernstudium in den USA

Medikationsmanagement: Apothekerin mit neuem Blickwinkel

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Berlin -

Besser verstehen, was einem Patienten hilft und was nicht: Dieses Ziel hat Apothekerin Karen Eislage aus Quakenbrück. Ihr reichte nicht aus, was im Pharmaziestudium darüber gelehrt wurde und geeignete Fortbildungen sind in Deutschland rar gesät. Also entschied sich Eislage für ein Fernstudium an der University of Florida. Die Apothekerstiftung Westfalen-Lippe unterstützte die Weiterbildung im Masterstudiengang Medication Therapy Management mit einem Stipendium.

Die Idee kam Eislage während ihrer Zeit in Münster, wo sie bei Apotheker Dr. Olaf Rose nach ihrem Studium in Frankfurt arbeitete. Auch Rose studierte an University of Florida und erlangte dort den Doctor of Pharmacy. „Ich hatte mich zunächst in Deutschland nach passenden Weiterbildungen umgeschaut. Aber hier liegt der Fokus oft auf Krankenhausthemen oder betriebswirtschaftlichen Aspekten“, so Eislage. Da sie sich jedoch tiefer mit der Wirkweise von Medikamenten beschäftigen, blieb nur der Blick ins Ausland.

Daher schrieb die Apothekerin in den Studiengang Medication Therapy Management in Florida ein. Die hohen Kosten von knapp 15.000 Euro übernahm zur Hälfte die Apothekerstiftung Westfalen-Lippe, die auch eine weitere Apothekerin förderte. „Ohne das Stipendium wäre es eine schwierige Entscheidung gewesen, ob ich das Studium wirklich beginne. Der Zeitaufwand und die Kosten sind schon hohe Einstiegshürden“, sagt Eislage. Rund 15 Wochenstunden sei sie neben ihrem Beruf mit der Fortbildung beschäftigt gewesen.

Die Zeit konnte sie sich größtenteils frei einteilen. Nur zu virtuellen Kommilitonentreffen, in denen einmal wöchentlich ein spezieller Patientenfall besprochen wurde, musste sich Eislage an feste Termine halten. „In den meisten Kursen waren auch andere Deutsche eingeschrieben, sodass diese Besprechungen meistens nachmittags stattfanden. Manchmal waren jedoch fast nur Amerikaner im Kurs, dann musste ich mich nachts um 2 Uhr vor den Computer setzen“, berichtet die Apothekerin.

In sechs Trimestern, also nach zwei Jahren, erlangte Eislage ihren Masterabschluss. Pro Trimester belegte sie zwei Kurse, jeweils mit Abschlussprüfung. „Diese waren immer schriftlich mit einem Mix aus Multiple Choice und offenen Fragen“, erzählt die Apothekerin. Abgefragt wurden zumeist konkrete Therapieüberlegungen. Die Kurse durften sich die Studenten selbst zusammenstellen, sodass auch eine längere oder kürzere Studienzeit möglich gewesen wäre. „Das Studium war super organisiert. Jeder wusste jede Woche, was genau auf dem Plan steht“, lobt Eislage die Bedingungen an der University of Florida.

Auch, wie detailliert der Stoff vermittelt wurde, gefiel der Apothekerin aus dem niedersächsischen Quakenbrück: „Wir sind bei dem jeweiligen Fall der Woche tief in die Feinheiten eingetaucht und haben zugleich die Kommunikation mit den Ärzten geübt.“ Auch wenn der Studiengang als Online-Fernstudium konzipiert war, beinhaltete er auch Praxiselemente. „Zweimal je vier Wochen Praktikum waren Pflicht. Den Ort konnten wir uns aber aussuchen“, so Eislage.

Sie entschied sich, vor Ort vorbeizuschauen: „Einen Teil des Praktikums absolvierte ich im Universitätskrankenhaus, den anderen in einer Hausarztpraxis.“ Dabei fielen der Apothekerin einige Unterschiede zum beruflichen Alltag in Deutschland auf. „Ich war erstaunt, wie eigenständig die Apotheker innerhalb des Krankenhauses und der Arztpraxis arbeiten. Die Rundum-Versorgung des Patienten ist dort besser als in Deutschland“, so Eislage und fügt hinzu: „Und sie wird halt vergütet.“

Dennoch ließen sich die dortigen Regelungen nicht ohne Weiteres auf das hiesige Gesundheitssystem übertragen. Dennoch sei sie froh, dass sie den Schritt an die Fernuniversität und die amerikanischen Gesundheitseinrichtungen gegangen ist. „Das Wissen hilft mir in meinem Arbeitsalltag sehr. Ich weiß jetzt sehr viel schneller, welche Dosierung für welche Indikation die richtige ist und kann besser nachvollziehen, wie sich ein Patient mit seiner Therapie fühlt“, freut sich Eislage über das erworbene Hintergrundwissen.

Dieses setzt sie seit Februar in der Löwen-Apotheke ihrer Mutter ein. Nach ihrer Studienzeit in Frankfurt und ihrer Berufstätigkeit in Münster zog es Eislage zurück in ihren Geburtsort. Mitentscheidend dafür waren ihr ebenfalls aus Quakenbrück stammender Ehemann und der zwölf Wochen alte gemeinsame Sohn. „Es war klar, dass wir irgendwann einmal zurückkehren“, so Eislage.

Bis dahin möchte Eislage Fortbildungen die Patientenbetreuung und Einbindung der Apotheker in die Pharmakotherapie in Deutschland voranbringen. Der Bereich sei ein sehr wichtiger und die Politik bisher noch zu untätig. Daher hofft Eislage, dass bald die deutschen Universitäten entsprechend nachrüsten. „Dann könnten wir Apotheker noch patientennäher arbeiten“, fasst sie zusammen.

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