Psychotherapie

Merkel verspricht kürzere Wartezeiten dpa, 28.09.2017 12:22 Uhr

Berlin - Durch die Reform der Richtlinie für Psychotherapeuten vor sechs Monaten sollten Patienten schneller einen Termin bekommen. Der Erfolg ist umstritten. Denn wer eine Sprechstunde bekommt, hat noch lange keinen Therapieplatz.

Marcel Bettray hat Angela Merkel (CDU) eine Frage gestellt und von der Bundeskanzlerin Recht bekommen. Es dürfe nicht so lange wie bisher dauern, bis ein psychisch kranker Mensch endlich einen Therapieplatz bekomme, sagte er. Der 32-Jährige hat selbst Depressionen und sich auf der Suche nach einem Psychotherapieplatz erfolglos durch eine Liste mehr als 40 Telefonnummern gewählt.

Bettray hat auch von der Änderung der Psychotherapeuten-Richtlinie im April 2017 gehört, die das Hilfsangebot für psychisch kranke Menschen verbessern soll. Psychotherapeuten müssen seitdem wöchentlich zwei Stunden Sprechstunde anbieten. Außerdem müssen sie 200 Minuten in der Woche am Telefon erreichbar sein. Der Erfolg ist umstritten. Bettray war eineinhalb Jahre in einer Klinik wegen seiner Depression. „Was danach passiert, gefällt mir nicht“, erzählt er. „Dass man danach komplett alleine da steht mit der Krankheit und keinerlei Unterstützung bekommt.“ Er geht zwar zu einem Psychiater, von dem bekommt er aber nur Medikamente. Mit ihm spricht er seine Tablettendosis ab – aber eine Therapie ist das nicht. Während seiner Reha hat er gemerkt, dass eine Gesprächstherapie viel bringt. Aber er bekommt einfach keinen Therapeuten.

Die neue Richtlinie soll bewirken, dass psychisch kranke Menschen schneller ein erstes Gespräch mit einem Psychotherapeuten bekommen. Anstatt direkt in der Praxis anzurufen, können sich Patienten auch an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) wenden, die innerhalb von vier Wochen eine Sprechstunde vermitteln müssen. Die Zahl der vermittelten Psychotherapiesprechstunden habe im zweiten Quartal aus dem Stand 40 Prozent der insgesamt vermittelten Arzttermine ausgemacht, sagt ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Das sei ein spürbarer Anstieg. Wer innerhalb der vier Wochen nicht vermittelt werden könne, könne auch ins Krankenhaus gehen. Das seien aber verschwindend wenige Patienten, fast alle könnten auf eine Sprechstunde vermittelt werd

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