Geiselnehmer soll tablettensüchtig gewesen sein | APOTHEKE ADHOC
Köln

Geiselnehmer soll tablettensüchtig gewesen sein

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Berlin -

In Köln hat sich nach der Geiselnahme in der Apotheke im Hauptbahnhof der Alltag eingestellt. Die Apotheke hat wieder geöffnet, die Mitarbeiter versuchen in das Tagesgeschäft überzugehen. Die Ermittlungen laufen unterdessen weiter. Recherchen des WDR, NDR und der Süddeutscher Zeitung zufolge, soll der Geiselnehmer medikamentenabhängig gewesen sein, offenbar hatte er schwere psychische Probleme.

Am 15. Oktober herrschte auf dem Bahnhof stundenlang Ausnahmezustand. Ein 55 Jahre alter Mann nahm in der Apotheke eine Geisel. Zuvor zündete er in einer McDonald‘s-Filiale einen Molotowcocktail. Ein 14-jähriges Mädchen wurde durch den Molotowcocktail verletzt, ihm gelang die Flucht. Daraufhin stürmte der Täter aus dem Schnellrestaurant in die benachbarte Apotheke im Hauptbahnhof. In der Situation des Zugriffs hat der Mann der Polizei zufolge die Geisel massiv bedroht, er hatte versucht, sie anzuzünden.

Die Ermittlungen der Generalbundesanwaltschaft und derer gesonderten Ermittlungsgruppe „Hbf“ zu den Hintergründen der Kölner Geiselnahme laufen dem Rechercheteam der öffentlichen rechtlichen Sender und der Süddeutschen Zeitung zufolge nach wie vor. Sohn und Bruder des Geiselnehmers seien inzwischen verhört worden. Sie sagten demnach aus, er sei süchtig nach Tabletten gewesen.

Bei Durchsuchungen seiner Unterkunft im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld beschlagnahmten die Ermittler demnach persönliche Gegenstände. Diese und erste Auswertungen von Internet- und Handy-Kommunikation deuteten allerdings nicht auf einen islamistischen Hintergrund hin. Stattdessen zeige sich mehr und mehr, wie massiv die psychischen Probleme des Mannes waren.

Mindestens seit 2017 soll er sich in ambulanter Behandlung befunden und Psychopharmaka und Medikamente gegen eine Depression genommen haben. Auch in seiner Heimat Syrien soll der Mann bereits Probleme gehabt haben. Zeugen berichteten davon, er soll dort bereits in Haft gewesen sein. Er habe ihnen erzählt, dass er damals auch gefoltert worden sei.

Zuvor hieß es, der Mann soll Stammkunde in der Apotheke gewesen sein. Einem Bericht der Kölnischen Rundschau zufolge soll er dort häufig Schmerzmittel und Psychopharmaka abgeholt haben. Die Zeitung beruft sich auf mit dem Fall betraute Ermittler. Warum der 55-Jährige am Breslauer Platz immer wieder seine Medikamente holte, werde von der Mordkommission untersucht. Über die genaue Zahl der Besuche in der Apotheke liegen demnach keine gesicherten Erkenntnissen vor.

Die Apotheke öffnete vergangene Woche wieder. Via Facebook hat das Apothekenteam den Kontakt mit seinen Kunden aufgenommen. Dort heißt es: „Liebe Kunden/-innen, wir danken Ihnen für Ihre Anteilnahme und das Mitgefühl an den stattgefundenen Ereignissen am Montag, den 15.10.18 in der Apotheke im Hauptbahnhof Köln. Unser gesamtes Team ist bemüht, so schnell wie möglich durch die Rückkehr in einen normalisierten Arbeitsalltag diese Geschehnisse weiterhin nachhaltig zu verarbeiten.“ Die Mitarbeiter baten um Verständnis, dass sie nicht mehr auf die Geiselnahme angesprochen werden wollten.

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