Auf dem Schwarzmarkt für Arzneimittel, die durch Rezeptfälschungen ergaunert wurden, sind Allergiemittel und Krebspräparate weiterhin hoch im Kurs. In Bayern und Baden-Württemberg konnten hierbei erst kürzlich wieder mehrere Täter festgenommen werden.
So versuchten im Münchner Stadtteil Trudering zwei Männer, an den Hochpreiser Ragwizax zu kommen. Das Antiallergikum ist bereits seit einem Jahr von hohem Interesse bei Fälschern. Am Vormittag des 2. Septembers verständigte eine Mitarbeiterin einer Apotheke die Polizei. Am Vortag hatte ein Mann das mutmaßlich gefälschte Rezept für das Mittel vorgelegt, das er dann am nächsten Tag sollte abholen kommen.
„Aufgrund bereits bestehender Erkenntnisse zu ähnlich gelagerten Fällen wurden durch das Kommissariat 84 der Münchner Kriminalpolizei entsprechende Maßnahmen zur Festnahme des Tatverdächtigen getroffen“, heißt es zum Fall von der Polizei München. Als ein 33-jähriger Moldauer ohne festen Wohnsitz in Deutschland dann erschien, wurde er von den Beamten festgenommen. Vor der Apotheke wartete ein 42-jähriger Komplize aus Lettland; auch er wurde vorläufig festgenommen.
Weitere Ermittlungen ergaben, dass der 33-Jährige bereits in mehreren weiteren Apotheken gefälschte Rezepte vorgelegt und womöglich erfolgreich war. Bei der Durchsuchung der Unterkunft konnten schließlich acht weitere Packungen des Medikaments, bei dem es sich laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ um Ragwizax handeln soll, gefunden werden. Der Wert: ein hoher vierstelliger Betrag, so die Polizei.
Der 33-Jährige sitzt nun in Untersuchungshaft. Sein Komplize wurde nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.
Im niederbayerischen Deggendorf kam es ebenfalls Anfang des Monats zu einem Polizeieinsatz in der Apotheke. Ein 20-jähriger Ukrainer hatte der Polizei zufolge für ein Krebsmittel ein Rezept vorgelegt. „Bei der Überprüfung des Rezepts durch eine Angestellte wurde festgestellt, dass es sich hierbei um eine Fälschung handelte“, so die Polizei.
Zum Abholtermin am späten Nachmittag warteten dann bereits die Beamten auf den Täter sowie auf zwei weitere mutmaßliche Tatbeteiligte. Gegen sie wird nun unter anderem wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Urkundenfälschung ermittelt.
In Stuttgart kam es derweil zu einer Festnahme, nachdem ein 30-Jähriger mit einem mutmaßlich gefälschten Rezept versucht hatte, ein starkes Schmerzmittel zu bekommen. Da das Präparat bestellt werden musste, sei ein späterer Termin vereinbart worden, informiert die Polizei.
Zwischenzeitlich sei der Apothekerin der Betrug aufgefallen. Als der Tatverdächtige dann Montagabend letzter Woche zum Abholen kam, nahmen ihn die alarmierten Polizisten vorläufig fest. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden zwei weitere, mutmaßlich gefälschte Rezepte gefunden.
Wer sind die Täter und ihre Hintermänner, wohin geht die Ware? Und wie soll man sich als Apotheke verhalten, wenn man den Verdacht hat, es mit einem gefälschten Rezept zu tun zu haben? Marie-Anne Tokaji, Staatsanwältin aus München, gab hierzu im vergangenen Jahr im APOTHEKE ADHOC-Interview Antworten.
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