Facebook

„Insulin kostenlos abzugeben“

, Uhr
Berlin -

Nach Ebay mausert sich Facebook zunehmend zum Schwarzmarkt für Medizinprodukte: In lokalen Gruppen des sozialen Netzwerks finden sich immer öfter Verkaufsanzeigen für Medikamente oder Hilfsmittel, die dort nichts zu suchen haben.

Auf dem „Schwarzen Brett – Stuttgart“ fand sich das vielleicht spektakulärste Angebot: „Insulin kostenlos abzugeben“ und zwar sehr viel davon hatte hier eine Userin. „Gibt es Diabetiker unter uns die Lantus und Actrapid spritzen??“ Wer wollte, konnte über eine private Nachricht Kontakt aufnehmen.

In den Kommentaren gab eine andere Facebook-Nutzerin zu bedenken: „Lagerung ist garantiert nicht wie in einer Apotheke gewährleistet gewesen und selbst wenn doch, man darf so nicht mit verschreibungspflichtigen AM handeln. Oder ist eine pharmazeutische oder medizinische Ausbildung vorhanden? Nicht mal dann ist das privat erlaubt.“

Auf dem „Schwarzen Brett – Pforzheim“ tauchte der NuvaRing von MSD Sharp & Dohme auf, auch er ist rezeptpflichtig. Zwei Exemplare zum Stückpreis von 16 Euro waren „wegen Unverträglichkeit zu verkaufen“, denn „wegschmeißen wäre zu schade!“ In der Gruppe „Rahden / Minden-Lübbecke / verkaufen / verschenken / tauschen“ fanden sich zwei Kniebandagen des Modells P3 von GenuTrain. „Neu. Links und rechts. Nur zur anprobe angehabt. Wegen zu groß abzugeben.“ Im Handel sind sie die Bandagen zum Stückpreis von 90 bis etwa 110 Euro erhältlich. Bei Verordnung vom Arzt werden die Bandagen als Hilfsmittel von der Krankenkasse erstattet. Ein Preis fand sich im Inserat nicht.

Ebay ist bereits seit langem ein reger Umschlagplatz für Rx-Medikamente. Im April hatte Helenhageman-0 neben Schuhen und einer kurzen Hose kurzzeitig auch das Benzodiazepin Lorazepam im Angebot. Dem Mittel zur Kurzzeitbehandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen sowie den damit verbundenen Schlafstörungen wird ein erhebliches Suchtpotential zugesprochen. Missbrauch und Rezeptfälschungen seien bei Lorazepam keine Seltenheit. Ebenfalls im April tauchte das verschreibungspflichtige Wimpernserum Careprost Eyelash Conditioner auf. Es steigert den Kammerwasserabfluss und senkt so den Augeninnendruck.

Einen Monat zuvor hatte Hans Ried aus Obing neben Lampen, Holzteilen, einer Stahlleiter und einem Stromverteiler auch sechs Spritzen von Cimzia im Angebot – Preis: 100 Euro Verhandlungsbasis. Das verschreibungspflichtige Medikament dient der Behandlung der rheumatoiden Arthritis, axialen Spondyloarthritis und der Psoriasis Arthritis. Ebenfalls zu haben war das Antipsychotikum Seroquel Prolong (Quetiapin, AstraZeneca). Auf Nachfrage erklärte Händlerin Carinaaa15 aus Rauderfehn bereitwillig Produkt, Krankheitsbilder, Therapie und Preis.

Im Februar fielen Präparate zur Thrombose-Prophylaxe auf. Jodler_in2000 hatte für Innohep 3500 Anti-Xa I.E. „in Fertigspritzen“ folgenden Text zur Verkaufsförderung: „7 Trombose Prophylaxe Injektionen nach Operationen. Die können Sie leicht selber spitzen ins Fettgewebe zur Blutverdünnung. Selbstverständlich versigelt mit Sicherheitsverschluß.“ Deutschlandweit werde das Arzneimittel aus Passau verschickt. Rücknahme ausgeschlossen.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Versender hält sich nicht an Urteil
Ordnungsgeld: DocMorris muss 50.000 Euro zahlen
Parfümeriekette verkauft Apothekenkosmetik
Vichy & Co.: Douglas erhält Selektivvertrag
Mehr aus Ressort
Mehr abgerechnet als durchgeführt
Betrug mit Testzentren: Betreiber sitzt in Haft

APOTHEKE ADHOC Debatte