Versandhandel

Ebay: Proaktiv statt nachlässig

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Berlin -

Die Angebote auf der Bestellplattform Ebay werden von manchem Apotheker mit strengem Blick verfolgt. Bietet ein Händler illegal ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel an, melden die kritischen Pharmazeuten das Gebot und verlangen Löschung. Moniert wird jetzt, der Internetriese beseitige die Annoncen nicht umgehend. Ebay weist die Kritik zurück.

Konkret geht es um das verschreibungspflichtige Arzneimittel Pigmanorm von Louis Widmer. Laut Verkäufer barbra1954 ist das Produkt „brandneu“ und noch bis September 2019 haltbar. Angeboten werden 15 mg, verschickt wird aus Gdynia in Polen. Die Creme enthält Hydrochinon, Tretinoin und Hydrocortison und soll hautbleichend bei Hyperpigmentierungen wirken. Laut Verkäufer entfernt das Produkt dunkle Flecken.

Apotheker haben den Verkäufer bereits länger im Visier: Es handele sich um einen „renitenten Anbieter, der in den letzten Wochen mehr als 40 Mal an Ebay gemeldet wurde“, teilen die Ebay-Prüfer mit. Das Angebot von Pigmanorm sei nach über 14 Stunden und endlosen Reklamationen immer noch online gewesen. Es handele sich um „eine Unverschämtheit sondergleichen“.

Der Internetkonzern sieht keinen Fehler beim Umgang mit dem unerlaubten Angebot des verschreibungspflichtigen Produkts. „Unser Sicherheitsteam hat das Angebot innerhalb von anderthalb Stunden, nachdem es uns gemeldet worden ist, administrativ beendet“, sagt ein Sprecher. Ebay sei „in erheblichem Umfang proaktiv tätig, um unzulässige Angebote zu blockieren oder zu beenden“. „Verkäufer müssen sich stets an alle gesetzlichen Bestimmungen sowie den Ebay-Grundsatz zu Arzneimitteln, Medizinprodukten und ärztlichen Leistungen halten.“ Pigmanorm wurde bereits zuvor über Ebay aus Polen zum Sofortkauf angeboten.

Apotheker haben Ebay seit Jahren im Visier. Seit mehr als sieben Jahren etwa beobachtet ein technikaffiner Pharmazeut die Angebote. Er hat selbst ein Computerprogramm entwickelt, das illegale Angebote findet. Mehrere Tausend unzulässige Angebote wurden dadurch entdeckt und per Screenshot archiviert. Allein 2017 seien mehr als 2500 illegale Angebote zusammengetragen worden. „Aber niemand interessiert sich dafür“, klagt der Apotheker.

Seiner Meinung nach stünden Apotheker in der gesetzlichen Pflicht, einem erkennbaren Missbrauch in geeigneter Weise entgegenzutreten. Von Botox über Malaria-Präparate bis zur Pille danach – der Suchmaschine entgeht nur wenig. Illegale Angebote werden dem Konzern und unter Umständen den Aufsichtsbehörden oder Apothekerkammern gemeldet.

„Aber das schreckt die Ganoven vor weiteren Untaten offenbar nicht ab“, sagt der Apotheker. Inzwischen würden verstärkt gewerblich agierende Anbieter verfolgt, die beispielsweise unter privatem Deckmantel apothekentypische diagnostische Teststreifen zu Dumpingpreisen verschleuderten. „Hier arbeitet wenigstens die Wettbewerbszentrale recht effektiv in Form dezidierter Abmahnungen.“

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