Zur Rose: Wie alles begann

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Berlin -

Walter Oberhänsli gibt die Führung von Zur Rose ab. Wie es dazu kam, dass der Jurist gemeinsam mit Ärzt:innen aus der Schweiz vor fast 30 Jahren ein Unternehmen gründete, das heute die führende Versandapotheke in Europa ist, hat das Unternehmen selbst dokumentieren lassen. Eine Reportage über die Gründungsphase, wie sie die der deutsche Journalist Stefan Scheytt im April 2013 für Zur Rose niederschrieb und wie sie heute auf der Website von Zur Rose zu finden ist.

Am Anfang war die Liebe zu einer Liegenschaft in Steckborn. Durch Beharrlichkeit wurde daraus ein Modell für ärztliche Selbsthilfe – und am Ende eine führende Versandapotheke, schreibt Scheytt in seiner Chronik, die wir mit Genehmigung von Zur Rose hier wiedergeben.

Wer Menschen aus der Gründungszeit von Zur Rose zu den Anfängen befragt, kann auf bemerkenswerte Äußerungen stoßen. Zum Beispiel auf diejenigen von Thomas Schneider, heute Vizepräsident des Verwaltungsrats und einer der 20 Gründer des Unternehmens. Der Allgemeinarzt mit Praxis in Tägerwilen im Kanton Thurgau sagt: „Zur Rose wollte nie das werden, was sie heute ist. Es gab keine Vision, dass man so etwas Großes realisieren könnte, es war eher eine Illusion.“ Alfred Muggli, ebenfalls Arzt und erster Verwaltungsratspräsident, holt einen Artikel hervor, den er Ende 1993, wenige Monate nach der Gründung, im „Journal“ der Ärztekasse veröffentlicht hatte. Der Bericht trägt den Titel: „Die Rose – ein wahres Märchen“. Interessant daran ist, dass Alfred Muggli allein schon die Gründung märchenhaft erschien, während Thomas Schneider der dann folgende steile Aufstieg wie eine Illusion vorkommt. Märchen, Illusion? Wie häufig bei Unternehmen, die nicht aus einer Fusion hervorgingen, sondern aus einem kleinen Kern zu ungeahnter Größe wuchsen, stehen am Anfang vor allem die Mühen der Handelnden, die vor lauter realer Hürden kaum Muße für Visionen haben.

Die Geschichte von Zur Rose beginnt, wie ihr Mitgründer Walter Oberhänsli selbst sagt, „trivial“: Für sein frisch gekauftes barockes Fachwerkhaus mit Namen Zur Rose im Zentrum der Thurgauer Kleinstadt Steckborn sucht der Anwalt Ende der 1980er-Jahre einen Mieter, und er hat sich in den Kopf gesetzt, dass es eine Apotheke sein soll. So will Oberhänsli der Immobilie einen neuen Sinn geben und seinem Wohnort wieder zu einer eigenen Offizin verhelfen. Doch beim Apothekergrossisten Galenica holt er sich eine Abfuhr: Steckborn sei viel zu klein und liege zudem in einem Selbstdispensationsgebiet.

Für Walter Oberhänsli hätte das der erste Anlass sein können, von seiner Idee abzulassen. Er hätte eine Bäckerei oder ein Restaurant oder eine Versicherungsagentur als Mieter suchen können.

Standeseigene Selbsthilfeorganisation

Stattdessen trifft er sich im „Adler“ mit Ärzten aus der Gegend um Steckborn in einer Fortbildungsgruppe, der auch Oberhänslis Hausarzt Alfred Muggli angehört, seinerzeit Präsident der Thurgauer Ärztegesellschaft. Im „Adler“ bestärken sich die Ärzte regelmäßig in ihrer Ablehnung des Kartells der Pharmafirmen, die ihre Medikamente nur zu Festpreisen abgeben; tatsächlich haben die Doktoren deshalb schon 1985 eine standeseigene Apotheke gegründet – freilich „nur als Aktennotiz“, wie Alfred Muggli lächelnd bemerkt. Doch Anwalt Oberhänsli gibt den entscheidenden Impuls: In der Rechtsform einer Aktiengesellschaft könnte die Apotheke Genussscheine an ihre Aktionäre ausgeben und so das Rabattverbot des Kartells ganz legal umgehen; gleichzeitig bildeten die Bestellungen der Ärzte das gesuchte zweite Standbein für die Apotheke. „Im Grunde keine weltbewegende Idee, sie lag in der Luft, und ich war eben der Katalysator“, sagt Oberhänsli.

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