Eurapon: Zur Rose macht in Bremen dicht | APOTHEKE ADHOC
90 Arbeitsplätze gestrichen

Eurapon: Zur Rose macht in Bremen dicht

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Berlin -

Der DocMorris-Mutterkonzern Zur Rose schließt den Logistikstandort der Eurapon Pharmahandel in Bremen Ende des Jahres und stellt die Marke Eurapon ein. Die Kund:innen gleichnamigen Versandapotheke werden – so gewünscht – künftig von DocMorris aus Heerlen beliefert. Es ist eine von mehreren Schließungen, die in Summe hunderte Jobs kosten dürften.

DocMorris war 2017 eine Vereinbarung zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Inhaber der Bremer Versandapotheke, Kubilay Talu, eingegangen. DocMorris hatte formal nur den gleichnamigen Großhandel übernommen, die Euro-Apotheke in Bremen wird weiter von Talu geführt. Die Entscheidung zur Einstellung der Marke Eurapon sei einvernehmlich mit Talu gefällt worden, heißt es in einer Mitteilung.

Die Versandkunden von Eurapon werden schon ab Mitte Dezember von DocMorris aus dem neuen Logistikzentrum in Heerlen beliefert. Der Logistikstandort von Eurapon Pharmahandel in Bremen wird damit zum 31. Dezember geschlossen, die Marke Eurapon eingestellt. „Dadurch reduziert die Gruppe die Komplexität im Segment Deutschland weiter und unternimmt einen nächsten wichtigen Schritt in Richtung Profitabilität“, heißt es offiziell.

Jobangebot für pharmazeutisches Personal

Den rund 90 von der Schließung betroffenen Mitarbeiter:innen würden individuelle Abfindungsangebote unterbreitet. Allen am Standort Bremen beschäftigten pharmazeutischen Mitarbeitern sowie denen aus dem Versandgeschäft der Euro Apotheke werde eine Weiterbeschäftigung angeboten – in Heerlen.

Zur Rose hatte in den vergangenen Jahren mehrere deutsche Versandapotheken übernommen. Formal wurde nur das Großhandelsgeschäft akquiriert; die Apotheken gehörten wegen des Fremdbesitzverbots weiter den rechtlich selbstständigen Apothekern. Weitere Beispiele sind Medpex und Apotal. In Halle/Saale hatte Zur Rose selbst 2004 einen Ableger gegründet.

Rekordpreise für Versender

Teilweise wurden Rekordpreise gezahlt; erst vor Kurzem räumte Stefan Feltens, CEO des Konkurrenten Shop Apotheke, ein, dass man dabei nicht mithalten konnte. So legte Zur Rose für Vitalsana 18 Millionen Euro (2017) auf den Tisch, für Eurapon 47 Millionen Euro (2017), für Apo-Rot 50 Millionen Euro (2018), für Medpex 176 Millionen Euro (2018) und für Apotal 75 Millionen Euro (2020).

Vitalsana wurde sofort integriert, schließlich war die ehemalige Schlecker-Tochter ebenfalls in Heerlen ansässig. Auch bei Apo-Rot zog Zur Rose nach wenigen Monaten den Stecker, 80 Mitarbeiter:innen am Standort in Hamburg waren damals betroffen.

Die anderen Versender wurden zunächst nicht integriert, was sich in der Pandemie zwar noch aufgrund der zusätzlichen Kapazitäten auszahlte. Doch abgesehen von den Kosten verursachte die Konstruktion auch ein wildes Durcheinander: Angeblich herrschte unter den verschiedenen Ablegern zeitwiese ein erbitterter Wettbewerb, weil sie jeweils eigene Zielvorgaben hatten. So kam es nicht selten vor, dass sich die verschiedenen Marken in den Preisvergleichsportalen gegenseitig unterboten.

Erst Medpex, dann Eurapon

Der neue CEO Walter Hess muss daher aufräumen. Denn Zur Rose droht das Geld auszugehen. In diesem Jahr wurden daher nicht nur Umsätze geopfert, sondern auch Einsparungen angestoßen. Dazu zählt vor allem die Bündelung der Logistik in Heerlen. Im Sommer wurde das neue Vertriebszentrum endlich eröffnet, sodass als erstes der Ableger Medpex im Oktober von Ludwigshafen umgezogen werden konnte. Allerdings bleibt der Logistikstandort mit einer Kapazität von 7 Millionen Paketen pro Jahr bestehen und wird von Zur Rose für die Abwicklung von Aufträgen nicht-pharmazeutischer Produkte genutzt.

Den rund 200 Logistik- und pharmazeutisch-technischen Mitarbeitern der Stifts-Apotheke wurde eine Weiterbeschäftigung in Ludwigshafen beziehungsweise Heerlen angeboten. Insgesamt waren 350 Menschen für den Betrieb tätig, den Inhaberin Christiane Bülow-Bichler gleich ganz aufgegeben hat. Weitere 36 Arbeitsplätze fielen beim Dienstleister Visionrunner weg, hier wurden Abfindungsangebote gemacht.

Dann Apotal und Zur Rose?

Alleine im Fall Medpex rechnet das Management mit Effizienzgewinnen von acht Millionen Franken pro Jahr, die bereits fest eingeplant sind. Die Angestellten bei Apotal und Zur Rose in Halle können sich vermutlich ausmalen, dass es auch bei ihren Standorten ein Ende abzusehen ist. Nach Abschluss könnten hunderte der zuletzt 2400 Arbeitsplätze der Gruppe weggefallen sein.

Verantwortlich ist der neue Chief Operations Officer (COO) Kaspar Niklaus. Der frühere Phoenix-Landeschef in der Schweiz kam im April als Chief Transformation Officer zu Zur Rose und leitete dieses erste Integrationsprojekt, nun trat er die Nachfolge von Bernd Gschaider an, der die Gruppe verlassen hat.

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