Generikakonzerne

Teva: Zwei Reaktoren für Ulm

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Berlin -

Teva investiert fast 500 Millionen Euro in den Bau einer neuen Biotech-Anlage in Ulm. Gestern wurde der Grundstein gelegt, Fertigstellung soll Ende 2019 sein.

Auf einer Grundfläche von 4700 Quadratmetern sollen in Zukunft komplexe biotechnologische Wirkstoffe hergestellt werden. Dadurch sollen am Standort Donautal bis zu 300 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, die sich neben der biotechnologischen Produktion vor allem in der Qualitätskontrolle und Verwaltung befinden. 50 neue Arbeitsplätze seien bereits durch die Projektplanung geschaffen worden.

An eine größere Einzelinvestition in der Region könne er sich nicht erinnern, sagte Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch bei der Grundsteinlegung. Die Stadt hatte sich in einem firmeninternen Wettbewerb gegen zahlreiche Konkurrenten durchgesetzt. „Mit diesem Schritt bestätigt die Konzernleitung das Bekenntnis für den Ulmer Standort und dessen wichtige Rolle innerhalb des biotechnologischen Engagements des Konzerns“, so Deutschlandchef Christoph Stoller.

Teva betreibt am Standort Ulm bereits eine Biotech-Anlage, aus der in den letzten sechs Jahren vier Biosimilars zur Marktreife gebracht wurden: Eporatio (Epoetin theta), Ratiograstim (Filgrastim), Lonquex (Lipegfilgrastim) und Ovaleap (Follitropin alfa). Mit der neuen Anlage sollen die Möglichkeiten dazu nun erheblich ausgeweitet werden. Insbesondere soll sie für die Herstellung monoklonaler Antikörper genutzt werden. Der Kopfteil des neuen Gebäudes dient als Bürobereich und hat acht Stockwerke plus Keller, während der reine Produktionsteil über sechs Stockwerke plus Keller verteilt ist. Herzstück der Produktion werden zwei 15.000-Liter-Bioreaktoren sein.

Im Mai wurde bekannt, dass Teva in Ulm einen Stellenabbau in hohen zweistelligen Bereich plant. Die Agentur für Arbeit hatte gegenüber lokalen Medien bestätigt, dass anzeigepflichtige Entlassungen angemeldet wurden, was in dieser Unternehmensgröße nur bei mindestens 30 Entlassungen innerhalb von 30 Kalendertagen der Fall ist. Vor einem Jahr erst wurde das neue Global Technology Center eröffnet, in dem Teva zukunftsträchtige Technologien auf ihre Anwendbarkeit in der Herstellung neuer Medikamente testen will.

Teva macht derzeit eine schwierige Phase durch: Wegen der 40 Milliarden Euro schweren Übernahme der Generikasparte von Allergan (vormals Actavis) musste sich der Konzern stark verschulden. Als der Deal nur unter Auflagen genehmigt wurde, brachen die gewagten Kalkulationen in sich zusammen. 79 Generika musste Teva an die Konkurrenz verkaufen – mit großem Abschlag und zu Lasten eingeplanter Skaleneffekte. In der Folge stürzte der Börsenkurs von 55 auf 25 Euro ab – den niedrigsten Wert seit 2005.

Weltweit schließt der Konzern Standorte und verlässt Märkte. Insgesamt soll es das Ende für 15 der 87 Produktionsanlagen des Herstellers sein. Sechs sollen noch in diesem Jahr schließen, neun weitere im Jahr 2018. Außerdem wird sich Teva aus 45 der 100 Märkte zurückziehen, in denen der Konzern aktiv ist. Als Folge werden 7000 Mitarbeiter entlassen – mehr als 10 Prozent der knapp 57.000 Beschäftigten. Im September hatte Teva nach monatelanger Suche einen neuen Chef präsentiert. Der erfahrene Pharmamanager Kåre Schultz soll Teva wieder auf Kurs bringen.

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