Stada

System Retzlaff: Family Business Patrick Hollstein, 01.06.2016 10:03 Uhr

Berlin - Der Stada drohen unruhige Zeiten. Der Finanzinvestor Active Ownership Capital (AOC) geht gegen eingefahrene Strukturen vor, die Neubesetzung des Aufsichtsrats soll erst der Anfang sein. Auch wenn der größte Einzelaktionär nach eigenem Bekunden kein Interesse an einer Destabilisierung hat: Das System Retzlaff könnte ins Wanken geraten. Die Gegner liegen auf der Lauer.

Wer die Stada reformieren will, muss nicht nur den Aufsichtsrat austauschen, sondern sich mit den Strukturen auseinander setzen. Konzernchef Hartmut Retzlaff steht seit 1993 an der Spitze des Konzerns; der einstige Pharmareferent hat es mit Talent und Intuition nicht nur geschafft, aus dem einstigen lokalen Anbieter einen internationalen Konzern zu schmieden, sondern sich dabei auch noch selbst an der Spitze unangreifbar gemacht.

Man könnte auch sagen, Retzlaff hat den Konzern so auf sich zugeschnitten, als ob er sein eigener wäre. Kritiker werfen ihm vor, zu weit gegangen zu sein. Sie verweisen auf die Grundsätze der guten Unternehmensführung, denen börsennotierte Unternehmen unterliegen.

Die Debatte um seine exorbitanten Bezüge konnte Retzlaff noch abwenden, indem er vor zwei Jahren „freiwillig“ auf einen Teil seiner Pensionszusagen von damals 35 Millionen Euro verzichtete. Bei der Hauptversammlung im vergangenen August gab es zwar erste Tumulte über die Umbuchung sowie die mehr als sieben Millionen Euro Jahresgehalt. Die Revolution blieb aber aus; stattdessen wurde kurz darauf sein Vertrag bis 2021 verlängert.

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