Generikakonzerne

Retzlaff bleibt Mr. Stada

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Berlin -

Über seinen Stil wird genauso oft gestritten wie über seine Bezüge. Doch Fakt ist: Hartmut Retzlaff ist Mr. Stada. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag des Konzernchefs um fünf Jahre bis zum 31. August 2021. Bei den Aktionären dürfte dies für Erleichterung sorgen. Am Donnerstag gibt Retzlaff vor Journalisten Einblick in seine 22-jährige ganz persönliche Erfolgsgeschichte.

Retzlaff ist seit 1993 Vorstandschef der Stada; sein bisheriger Vertrag wäre im kommenden Jahr ausgelaufen. Ein Nachfolger ist weit und breit nicht in Sicht; einen mächtigen Großaktionär, der das Heft des Handelns in die Hand nehmen könnte, gibt es ebenso wenig. So schlucken die Aktionäre so manche Kröte, etwa die fürstlichen Pensionsansprüche ihres Champions. Nur als im vergangenen Herbst der öffentliche Druck zu groß wurde, erließ Retzlaff der Stada großzügig einen zweistelligen Millionenbetrag. Zuvor hatte er mit seinen Mitarbeitern über unbezahlte Mehrarbeit sprechen wollen.

In Bad Vilbel ist Retzlaff Patriarch: Seinen Sohn hat er zum Geschäftsführer von Stadavita gemacht. Die Tochterfirma sorgt mit ihrem Racing-Team seit einem Jahr für Highlights in der Frankfurter Partyszene – Bodypainting mit der barbusigen Micaela Schäfer inklusive.

Retzlaff hatte 1976 als Pharmareferent bei Astra angefangen und es nach nur einem Jahr zum Außendienstleister geschafft. Nach einem Zwischenstopp bei Abbott in selber Funktion wechselte er 1986 als Leiter Marketing und Vertrieb zur Stada. Ab 1991 kamen die Karrieresprünge im Jahrestakt: Geschäftsführer, Vorstandsvize und 1993 Vorstandschef.

Damals sei das Unternehmen ein „besserer Hasenstall“ gewesen, sagt Retzlaff: 100 Millionen Euro Umsatz, 600 Mitarbeiter, nahezu kein Ertrag. Unter seiner Leitung sei es gelungen, die Firma zu einem renommierten MDAX-Konzern auszubauen. Die Erlöse hätten sich verzwanzigfacht, insgesamt arbeiteten 10.000 Mitarbeiter für Stada und der Ertrag könne sich auch sehen lassen.

Karrieren wie seine ermöglicht Retzlaff auch seinen Mitarbeitern. Adil Kachout ist so ein Beispiel: Auch er hatte als Außendienstler angefangen, heute leitet er das OTC-Geschäft in Deutschland.

Wer dagegen nicht mitzieht oder der Nummer 1 gefährlich wird, muss gehen. Die Stühle rechts und links von ihm im Vorstand gelten als Schleudersitze. Der ehemalige Phoenix-Vorstand Helmut Kraft verantwortet seit 2009 die Finanzen, Dr. Matthias Wiedenfels betreut den Bereich Unternehmensentwicklung & Zentrale Dienste. Alle anderen Ressorts sind bei Retzlaff angesiedelt – nur wenige börsennotierte Konzerne kommen mit einem so kleinen Team an der Spitze aus.

Einen Abschied Retzlaffs kann sich für die Stada allein niemand vorstellen – seit Jahren gilt die Nummer 3 im deutschen Markt daher als Verkaufskandidat. Dr. Martin Abend, Rechtsanwalt aus Dresden und Aufsichtsratschef der Stada, lobte Retzlaff für seine „in der Vergangenheit erzielten Erfolge wie der wachstumsorientierte Internationalisierungskurs von einem nationalen Unternehmen zu einem weltweit agierenden Konzern“. Man sei überzeugt, dass die Stada mit Retzlaff an der Spitze für die Zukunft weiterhin hervorragend aufgestellt sei, um die sich bietenden Chancen zu nutzen und die anstehenden großen Herausforderungen bewältigen zu können.

„In meinen fast dreißig Jahren im Stada-Konzern, mehr als zwanzig davon als Vorstandsvorsitzender, habe ich das ein oder andere Mal vor wegweisenden Entscheidungen gestanden“, resümiert Retzlaff. „Stada nun die nächsten Jahre weiter zu entwickeln und für die kommenden Herausforderungen zu wappnen ist für mich von besonderer Bedeutung, da ich dem Konzern auf Grund meiner langen Historie sehr verbunden bin.“

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