Generikakonzerne

Stada: Partner droht mit BaFin

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Berlin -

Am Tag der Hauptversammlung ist Stada in neuen Turbulenzen. Es geht um eine Beteiligung in Vietnam. Der Partner vor Ort wirft dem Konzern vor, falsch zu spielen, und fordert eine verbindliche Antwort zur Zukunft des Gemeinschaftsunternehmens. Ansonsten werden ernste Konsequenzen in Aussicht gestellt.

Am Montag landete ein Schreiben von M.S.T Pharm aus Ho-Chi-Minh-Stadt auf dem Tisch von Stada-Finanzvorstand Dr. Bernhard Düttmann. Darin nahm der Partner Bezug auf den aktuellen Geschäftsbericht mit den Halbjahreszahlen, den der Konzern Anfang August veröffentlicht hatte.

Im Anhang hatte der Konzern eingeräumt, wegen fehlender Finanzinformationen derzeit nur Planungszahlen zur Entwicklung des Geschäftsverlaufs in Vietnam liefern zu können. Die gesellschaftsrechtliche Kontrolle habe sich aber nicht verändert, versicherte das Management. Die auf diese Weise verarbeiteten Informationen beträfen auch nur 1 Prozent von Umsatz und Gewinn.

Dass der Konzern noch die Kontrolle hat, sieht der Partner aus Fernost ganz anders. Zwar sei in der Satzung ein Aufsichtsrat vorgesehen, dem je drei Vertreter der beiden Partner angehörten. Seitens Stada gebe es aber keinen einzigen Ansprechpartner mehr: Keiner der Gesandten, die dem Kontrollgremium zuletzt angehörten, arbeite noch für den Konzern.

Choo Yan Ho, früher Vice President für den Raum Asien/Pazifik und zuletzt Berater bei Stada, ist seit Mai vergangenen Jahres nicht mehr Amt, wodurch das Kontrollgremium laut M.S.T faktisch handlungsunfähig geworden ist. Finanzchef Helmut Kraft sei ebenfalls ausgeschieden, genauso wie der langjährige Konzernchef Hartmut Retzlaff. Honorare seien teilweise bis heute nicht gezahlt worden, was auf unfreiwilligen Abgang hindeute, heißt es in dem Schreiben.

M.S.T hat nach eigenen Angaben die Stada bereits darüber informiert, dass in Singapur ein Schiedsverfahren anhängig ist, mit dem die lange überfälligen, anhaltenden Streitigkeiten beigelegt werden sollen. Um die eigenen Interessen zu schützen, liefere man seit April aber keinerlei Informationen mehr nach Bad Vilbel. Grund sei die Unfähigkeit und Verweigerungshaltung des Konzerns, die Wettbewerbsverstöße abzustellen.

Vor diesem Hintergrund könne nicht im Geringsten von einer unveränderten Kontrolle die Rede sein. Insofern müssten die Ausführungen aus dem Geschäftsbericht klargestellt werden, um Spekulation und Öffentlichkeit und damit negative Auswirkungen auf das Firmenimage zu vermeiden. Düttmann wird aufgefordert, Grundlagen für die Behauptung in seiner Klarstellung mitzuliefern.

Noch verwirrender finden die Partner aus Vietnam die Ausführungen des Konzerns, dass die Veräußerung der Anteile am Joint Venture „auf Grund aktueller strategischer Überlegungen nicht mehr als höchst wahrscheinlich angesehen“ werde. Seit Beginn der Diskussion über eine Trennung habe man mit verschiedenen Vorständen und Managern kommuniziert – darunter neben Kraft der ehemalige CEO Dr. Matthias Wiedenfels, der Chef der Qualitätskontrolle Fritz Kloeter und der aktuelle Konzernchef Engelbert Coster Tjeenk Willink.

Alle hätten offen ihr Interesse an einer Trennung bekundet, dafür habe man auch schriftliche Belege. So gebe es ein unterzeichnetes Protokoll der letzten Aufsichtsratssitzung, in der Preis und Modalitäten der Anteilsübernahme vereinbart worden seien. Einige wichtige Meilensteine wie Kapitalerhöhung und Finanzierung habe man bereits umgesetzt.

Auf der einen Seite berichte Stada, ein Verkauf sei kein Thema, auf der anderen Seite versicherten Willink & Co. ihrem Partner, unverändert auf das gemeinsame Ziel hinzuarbeiten. „Welche Äußerung von Stada ist wahr?“

Wegen der hohen Eilbedürftigkeit wird um Antwort noch am selben Tag gebeten. „Anderenfalls würden wir eine Klärung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) anstreben.“

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