„Wir kommen ganz ordentlich voran“

Sanacorp: Sparprogramm und Rumpfgeschäftsjahr

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Berlin -

Im Rahmen der Vertreterversammlung in München zog Vorstandschef Patrick Neuss eine positive Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung langfristiger Entscheidungen für die Zukunftsfähigkeit der Genossenschaft, etwa das vor zwei Jahren eingeleitete Sparprogramm. Auch die Politik müsse sich endlich zu den bestehenden Versorgungsstrukturen bekennen.

„Wir treffen Entscheidungen nicht für das nächste Quartal, sondern für die nächsten Jahre und Jahrzehnte. Wirtschaftliche Stabilität, unternehmerische Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen immer wieder neu erarbeitet und abgesichert werden.“ Vor diesem Hintergrund setze man das vor gut zwei Jahren gestartetes Effizienz- und Zukunftsprogramm fort. Damals habe man nicht aus wirtschaftlicher Not gehandelt, sondern vorausschauend. Es gehe nicht um kurzfristige Ergebnisverbesserung, sondern um langfristige Stabilisierung. Nur ein wirtschaftlich solides Unternehmen könne ein solider Partner sein.

Mehr als die Hälfte der geplanten Maßnahmen sei bereits umgesetzt worden oder befinde sich in Umsetzung. Erste wirtschaftliche Effekte konnten realisiert werden. „Wir kommen ganz ordentlich voran.“ Allerdings müsse man auch Anpassungen beim Personal vornehmen. Umso erleichterter sei er, dass bislang alle Maßnahmen über das Freiwilligenprogramm sozialverträglich gelöst werden konnten. Er dankte den ausgeschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Parallel dazu investiere man in einem größeren Umfang als je zuvor in die Infrastruktur und die Versorgungssicherheit. Der Umbau der Niederlassung Düsseldorf befinde sich auf der Zielgeraden; im Herbst werde der letzte Bauabschnitt abgeschlossen. Auch die Neubauprojekte in Offenburg und Stralsund schreiten laut Neuss planmäßig voran; im kommenden Jahr sollen die Zentren ans Netz gehen. Nach Gesprächen rund um den Fiebig-Standort in Rheinstetten habe man sich für den Neubau in Ettlingen entschieden. Ergänzt würden diese Maßnahmen durch Investitionen in moderne Lagertechnik, IT-Infrastruktur sowie Anwendungen auf Basis von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning. Mehr als 80 Prozent aller PZN würden dynamisch gelagert.

Lob für Protesttag

Mut zeige sich nicht nur in großen strategischen Programmen, sondern auch darin, für seine Belange einzutreten. Er lobte den Protesttag im März, mit dem für bessere Rahmenbedingungen gekämpft worden sei und der weit mehr als eine politische Kundgebung gewesen sei. Die wirtschaftlichen Herausforderungen der Apotheken seien kein abstraktes Problem mehr, sondern beträfen die Frage nach der Versorgung in Deutschland. Die Geschlossenheit und Entschlossenheit seien beeindruckend gewesen. Ein sonst eher leise Zunft sei laut geworden: „Sie haben Ihre Arbeit unterbrochen, um auf die Bedeutung Ihrer Arbeit aufmerksam zu machen.

Die Apotheken könnten zahlreiche neue Aufgaben übernehmen, bräuchten dafür aber eine wirtschaftlich tragfähige Grundlage. Auch wenn man sich weiter gehende und zügigere Schritt gewünscht hätte: Der Handlungsbedarf sei mit der Anhebung des Fixums anerkannt worden. Es spreche aber leider vieles dafür, dass von der Honorarerhöhung am Ende wenig übrig bleiben werde. Neuss sprach von Kosmetik; tatsächlich bräuchten die Apotheken eine regelmäßig Anpassung, die mit Kostenentwicklung Schritt halte. Es gehe um mehr als um ein paar Euro, nämlich die Frage, wie wichtig die wohnortnahe Versorgung für die Gesellschaft sei. Daher müsse man auch über den Großhandel sprechen – beide Seiten hätten dieselben Erfahrungen gemacht: Immer höhere Kosten, immer weiter steigende Anforderungen, kaum eine Anpassung der Vergütung.

Vorsicht bei Skonto

Auch beim Skonto dürfe man sich nicht auseinander dividieren lassen: Der Bundesgerichtshof (BGH) habe in seiner Entscheidung festgestellt, dass es nicht Aufgabe des Großhandels sei, das Überleben der Apotheken zu sichern. Die Sanacorp habe bereits vor dem Urteil klargestellt, dass die früheren Konditionen dauerhaft nicht tragfähig seien. „Unser Maßstab ist nicht die Renditeerwartung externer Investoren, sondern die Stärkung der Apotheken.“ Dennoch brauche man einen gesunden Großhandel. Ein Verteilungskampf innerhalb der Versorgungskette löse nicht das Problem, sondern schwäche diejenigen, die die Versorgung sicherstellten.

Daher halte man es für dringend erforderlich, dass die Vergütung von Apotheken und Großhandel der Kostenentwicklung folge. „Das wäre kein Privileg, sondern die konsequente Anerkennung einer wirtschafltichen Realität.“

Die Sanacorp steigerte ihren Gesamtumsatz um 7,5 Prozent auf rund 7,9 Milliarden Euro; der Markt sei dabei nur um 6 Prozent gewachsen. Rund 70 Prozent des Mehrumsatzes seien aber auf kühlpflichtige Medikamente entfallen; hier stoße man allmählich an Kapazitätsgrenzen. Der Trend zu Biosimilars werde das Problem in den kommenden Jahren weiter verschärfen.

Der Jahresüberschuss stieg von 6,8 auf 48,1 Millionen Euro. Das deutlich höhere Ergebnis erklärt sich laut Neuss aus Aufwendungen für das Sparprogramm sowie höhere Großhandelsumsätze bei gleichem Rohertrag.

Der Gewinn lag auf Ebene der Genossenschaft bei 54,9 Millionen Euro, nach 27,7 Millionen Euro im Vorjahr. Dass sich das Ergebnis scheinbar verdoppelt habe, liege an der bedingten Vergleichbarkeit. Neben Aufwendungen aus dem Sparprogramm gebe es weitere Sondereffekte, etwa 8,5 Millionen Euro als Liquidationserlös der Sanastera. Allerdings müsse die Genossenschaft jetzt alle Steuerverpflichtungen für die Gruppe übernehmen.

Die Bankverbindlichkeiten konnten von 168 auf 157 Millionen Euro reduziert werden, das lag auch an der Ausweitung beim Forderungsverkauf um 25 auf 299 Millionen Euro. Der Bestand an Barmitteln und Wertpapieren sank von 10,7 auf 2,6 Millionen Euro.

Weniger Mitglieder, mehr Anteile

Die Zahl der Mitglieder sank von 7271 auf 7077, die Zahl der Geschäftsanteile habe sich aber deutlich erhöht. Mehr als zwei Drittel des Sonderkontingents seien bereits an Mitglieder ausgegeben worden, die sich um die Genossenschaft verdient gemacht hätten.

Die Basisdividende liegt bei 3,4 Prozent, ab 600.000 Euro Umsatz gibt es eine Förderdividende von 10,6 Prozent. In Summe erhalten förderberechtigte Mitglieder für das Geschäftsjahr 2025 eine Gesamtdividende von 14 Prozent. Die Umsatzschwelle soll auf eine Million Euro angehoben werden.

Die Sanacorp passt ihr Geschäftsjahr an: Nicht mehr der 31. Dezember soll künftig Bilanzstichtag sein, sondern – wie bei Phoenix – der 31. Januar. Da um Weihnachten herum viel Ware umgeschlagen werde, seien die Finanzen zum Abschluss mitunter angespannt. Auch Hersteller hätten andere Perioden, um sich besser finanzieren zu können. Nach internen Berechnungen seien Mehrerträge im sechstelligen Bereich zu erwarten.

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