Eigentlich wollte The Platform Group (TPG) die Übernahme des Großhändlers AEP längst unter Dach und Fach gebracht haben. Doch statt des überfälligen Updates wurde jetzt eine andere Übernahme verkündet. Wackelt der Deal doch noch?
Eigentlich sollte die Übernahme von AEP längst abgeschlossen sein; das Bundeskartellamt hatte im März die Freigabe erteilt. Bis Ende Mai wollten alle Beteiligten die verbleibenden Vertragsinhalte abarbeiten. Vor wenigen Wochen erklärte das Management bei der Präsentation der Geschäftszahlen, dass die Abschlussbedingungen des Kaufvertrags noch nicht vollständig erfüllt seien. „Weitere Fortschritte werden daher voraussichtlich im Juni 2026 erwartet.“
Doch seitdem wurden keine neuen Informationen dazu veröffentlicht. CEO Dominik Benner ließ Anfragen dazu unbeantwortet.
Stattdessen wurde jetzt der Ausbau des Segments „Freight Goods“ im Bereich Möbelplattformen verkündet. Gemäß einem bereits gültigen Kaufvertrags erfolgt die Übertragung der Vermögenswerte der Plattform Cocoli.com als Asset Deal.
Über Cocoli verkaufen nach Firmenangaben derzeit mehr als 100 Partner ihre Produkte, darunter Polstermöbel, Sitzmöbel, Office-Möbel sowie Beleuchtung. Wichtigste Marken seien Vitra, Tempur, Sofacompany sowie Hay. Bisher waren drei Unternehmen von TPG im Bereich Möbel aktiv, die unter anderem die Plattformen Möbelfirst und 99Rooms betreiben.
Zwischenzeitlich gab es auch noch einen Hackerangriff: Vom E-Mail-Account eines Mitarbeiters wurden Daten entwendet; laut Firmenangaben durch die im Internet als russische Ransomware-Hackergruppe auftretende „Everest Group“.
Auf der Seite der AEP-Verkäufer hat man nach wie vor keinen Zweifel daran, dass der Deal zum Abschluss kommt. Benner hatte im Juni erklärt, er sei guter Dinge, dass man die Kaufvertragsvoraussetzungen erfüllen werde. An der Finanzierung werde es nicht scheitern: TPG habe mehr als 48 Bankverbindungen im In- und Ausland; diese Zahl habe in der Vergangenheit zu- und nicht abgenommen. Für AEP habe man drei Angebote vorliegen, mit denen man zu gegebener Zeit arbeiten könne.
Zum Kaufpreis wurde im vergangenen Herbst nichts bekannt gemacht; das Manager Magazin nannte seinerzeit die Zahl von 60 Millionen Euro. Finanziert werden soll die Übernahme laut TPG über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren mit einer Kombination aus Eigenmitteln und Fremdkapital.
Das Problem: Das Management will die Verschuldungsquote eigentlich senken, nicht ausweiten. Zuletzt wies der Konzern Bankverbindlichkeiten in Höhe von 57,5 Millionen Euro aus, hinzu kommt eine Anleihe im Umfang von 70 Millionen Euro. Auf der Aktivseite weist der Jahresabschluss liquide Mittel von 13,9 Millionen Euro aus; der Löwenanteil sind immaterielle Vermögenswerte und Firmenanteile im Umfang von 170,1 Millionen Euro. TPG weist darauf hin, dass es seit 2020 hier keine Abschreibungen gegeben habe.
Nachdem das Manager Magazin im Juni über angebliche Unregelmäßigkeiten im Unternehmen berichtet hatte und darüber, dass mehrere Banken ihre Kreditlinien in zweistelliger Millionenhöhe gekündigt hätten, hatte der Konzern ein Rückkaufprogramm aufgelegt: Bis zum Jahresende sollen Anleihen im Umfang von fünf Millionen Euro zurückgekauft werden. Das Ganze soll neues Vertrauen schaffen: Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn um 75 Prozent gesunken, auf zwölf Monate steht sogar ein Minus von 84 Prozent. Benner hält selbst 58 Prozent.
Benner muss also nicht nur die Finanzierung hinbekommen; er muss sie auch so gestalten, dass er seine Ankündigungen zur Bilanz einhalten kann.
TPG ist in den vergangenen Jahren durch Übernahmen rasant gewachsen, doch AEP ist wohl der mit Abstand größte Deal. Der Zukauf des Großhändlers soll den Konzern in eine neue Größenordnung katapultieren: Der Umsatz soll sich auf zwei Milliarden Euro verdoppeln, das operative Ergebnis (EBITDA) um 20 Millionen Euro auf 90 bis 100 Millionen Euro wachsen, die Zahl der Partner von 18.000 auf mehr als 25.000 steigen.
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