Pharmaunternehmer

Steuerfahnder bei Strüngmann-Brüdern

, Uhr aktualisiert am 21.03.2015 12:04 Uhr
Berlin -

Die Hexal-Gründer Dr. Andreas und Dr. Thomas Strüngmann sind ins Visier der Steuerfahnder geraten. Am Mittwoch durchsuchten Beamte das Münchner Büro der Unternehmer. Einem Sprecher der Familie zufolge geht um Aktienfonds – also nicht um die Unternehmensbeteiligungen der Familie.

Der Strüngmann-Sprecher bestätigte, dass es Ermittlungen wegen des Verdachtes eines möglichen Steuerdelikts gibt. Hintergrund sei die Annahme der Behörden, dass einer von mehreren Aktienfonds steuerlich anders hätte behandelt werden müssen. „Mit den ermittelnden Behörden wird im Sinne einer schnellen Klärung der Vorwürfe vollumfänglich zusammengearbeitet“, so der Sprecher.

Das Manager Magazin hatte online berichtet, dass die Staatsanwaltschaft München I dem Verdacht auf Steuerhinterziehung nachgeht. Die Ermittler hätten demnach am Mittwoch im dritten Stock des Bürogebäudes am Rosenheimer Platz Aktenordner und Festplatten gefilzt.

Ob auch andere Objekte, etwa die beiden Villen am Tegernsee, durchsucht wurden, wollte der Sprecher gegenüber der Tegernseer Stimme nicht verraten. Die Staatsanwaltschaft gibt mit Verweis auf das strafbewehrte Steuergeheimnis keine Auskunft zu dem Fall.

Im Februar 2005 hatte die Strüngmann-Familie Hexal für rund sechs Milliarden Euro an Novartis verkauft. Seitdem kümmert sich das Münchener Family Office um die Vermögensverwaltung und um die neuen unternehmerischen Aktivitäten. Über verschiedene Beteiligungsfirmen in Deutschland und der Schweiz ist die Familie unter anderem bei Biotechunternehmen wie AiCuris, 4SC, Medigene, Ganymed, Suppremol und Glycotope investiert. Die Brüder haben die Vision, ihre Karriere mit einem eigenen Originalprodukt zu krönen.

Außerdem gehören der Familie der Berliner Generikahersteller Aristo mit den Tochterfirmen Lindopharm, Steiner und Pharma Wernigerode, der Teehersteller Sidroga in Verbindung mit dem Emser-Produzenten Siemens & Co. sowie der ZNS-Spezialist Neuraxpharm.

Zum Portfolio gehört außerdem eine Beteiligung an Vanguard, dem europäischen Marktführer in der Aufbereitung von Medizinprodukten mit mehr als 35 Aufbereitungszentren, und am Biosimilar-Hersteller Formycon. Auch am E-Health-Anbieter ICW (InterComponentWare) ist die Familie beteiligt; Imedo, ein Bewertungsportal für Ärzte, wurde verkauft.

Schließlich hat die Familie in den vergangenen Jahren jeweils mehrere hundert Millionen Euro bei der Südwestbank und dem Pharmahandelskonzern Alliance Boots investiert. Verlustreich waren die Beteiligungen am Immobilienkonzern IVG und am Hamburger Solarunternehmen Conergy. Das Blisterprojekt Sanipharma wurde eingestellt und die Räume für die Stammzellfirma Apceth freigemacht.

Seit Anfang des Jahres gibt es mit Sebastian Breyer einen neuen Chefverwalter für das Imperium. Breyer kommt von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young und tritt die Nachfolge von Klaus-Joachim Krauth an, der schon Ende 2013 zur Südwestbank gewechselt ist. Um die Investments im Bereich Life Sciences kümmert sich Helmut Jeggle, der 2007 von Hexal/Sandoz gekommen war.

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