Abfrage per Excel-Tabelle

Panne bei Noweda: Mitarbeiter spricht Betriebsärzte an

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Berlin -

Wieder muss alles ganz schnell gehen: Apotheken und Großhändler sollen jetzt die Betriebsärzt:innen mit Corona-Impfstoffen beliefern, über etliche Detailfragen herrscht bei den Betroffenen noch große Unsicherheit. Bei der Noweda ist es im Eifer des Gefechts zu einer Panne gekommen: Ein Mitarbeiter hat direkt bei Firmen den Bedarf an Impfstoffen abgefragt. Der Großhändler stellt klar, dass es sich um einen Fehler gehandelt hat und ausschließlich über Apotheken geliefert wird.

Der Noweda-Mitarbeiter hat sich direkt an die Betriebsärzt:innen gewandt und diese informiert, dass die Noweda ab dem 7. Juni Impfstoffe für die Betriebe in Deutschland zur Verfügung stellen könne. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) habe zunächst 500.000 Dosen des Biontech-Impfstoff Comirnaty gemeldet.

Doch im Folgenden liest sich die Mail so, als würde die Genossenschaft tatsächlich Betriebsärzt:innen direkt mit den Impfstoffen beliefern wollen: „Sofern Interesse für Ihre Belegschaft besteht, bitte ich Sie folgende Excel-Liste für Ihre Niederlassung bis spätestens morgen, Donnerstag 18 Uhr zurück zu senden.“ Angehängt ist die Tabelle „Impfstoffbestellung Industrie“.

Ein Noweda-Sprecher stellt auf Nachfrage klar, dass es sich dabei um einen Fehler handelt: „Es ist explizit nicht vorgesehen, dass wir an Betriebe liefern.“ Der Weg sei eindeutig vorgegeben: „Der Betriebsarzt bestellt bei der Apotheke, die gibt die Bestellung an uns weiter, wir liefern an die Apotheke und diese versorgt die Ärzte.“

Vermutlich sind die Mails tatsächlich im Übereifer verschickt worden. Nach Informationen von APOTHEKE ADHOC handelt es sich um einen Junior Manager im strategischen Einkauf, der erst seit Kurzem bei der Genossenschaft tätig ist. Auch der Noweda-Sprecher betont, dass der Mitarbeiter in bester Absicht gehandelt, um bei den Firmen den Bedarf abzufragen. Ihm sei der Ablauf noch einmal erklärt worden. „Der Vertriebsweg ist unmissverständlich klar, es geht auch schon abrechnungstechnisch nicht anders“, so der Sprecher.

Pannen wir diese sorgen zwar schnell für viel Unruhe unter Apothekern – es wäre ja auch ein veritabler Skandal, wenn ausgerechnet die Noweda ihre Mitglieder umgehen wollte. Sie sind aber wohl kaum zu vermeiden in einer Phase ständig wechselnder Vorgaben. So wurden die Großhändler erst Anfang der Woche über den neuen Prozess für die Betriebsärzt:innen informiert. Und schon am Freitag wird bestellt.

Eingespannt sind zum Start zusätzlich zur Noweda die Großhändler Alliance Healthcare Deutschland (AHD) und die Schwesterfirma Gehe, Noweda, Phoenix und Sanacorp. Die Unternehmen haben unter anderem die Gemeinsamkeit, bundesweit zu liefern. Außen vor sind momentan die Privatgroßhändler und AEP, doch das letzte Wort ist dazu noch nicht gesprochen. Noch ist nicht bekannt, wie viele Apotheken überhaupt für wie viele Betriebsärzt:innen bestellen werden. Die sonst oftmals überregional durch eine Apotheke belieferten Betriebsärzt:innen sind nun gehalten, recht kurzfristig eine Apotheke vor Ort zu finden.

 

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