Sonnenschutz im Test

Kinder-Sonnencreme: Öko-Test lobt Avène und Ladival

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Berlin -

Das Bewusstsein dafür, dass Sonnencreme auch bei kürzeren Aufenthalten im Freien Anwendung finden sollte, steigt bei Eltern. Cremen sich die Erwachsenen häufig selbst noch unzureichend ein, so werden die Kleinen regelmäßig „geweißt“. Diesen Schleier verursachen vor allem physikalische Filter, weshalb einige Eltern lieber zu Produkten mit chemischen Filtern greifen. Diese stehen laut Öko-Test in der Kritik.

Öko-Test hat erneut Sonnencremes speziell für Kinder getestet: Mehr als die Hälfte der Cremes im Test schneidet „sehr gut“ oder „gut“ ab. Viele Eltern möchten auf chemische Filter verzichten und greifen auf physikalische zurück. Neben Zinkoxid kommt auch Titandioxid zur Anwendung – oftmals sind die Stoffe sehr stark zerkleinert und liegen im Nanopartikelbereich vor. Öko-Test weist darauf hin, dass die Auswirkungen von Nanopartikeln auf den menschlichen Körper noch nicht ausreichend erforscht sind. In Lebensmitteln hat Titandioxid nun bald ausgedient – die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) warnt davor, dass Krebsrisiken bei oraler Aufnahme nicht ausgeschlossen werden können. Dermal angewendet, scheint das Risiko nicht gegeben – Öko-Test wertet Produkte mit Titandioxid als physikalischen Filter nicht ab.

Öko-Test verweist darauf, dass nicht alle Hersteller eine eindeutige Angabe dazu machen, ob physikalische Filter in Nanogröße eingearbeitet wurden. Diese Deklaration sollte jedoch eindeutig für den/die Kund:in sichtbar sein, sodass sich bewusst für oder gegen den Kauf entschieden werden kann.

Überzeugen konnten das Avène Kinder-Sonnenspray 50+ (Pierre Fabre) und die Ladival Für Kinder Sonnenschutz Milch (Stada). Beide Produkte erhalten das Testergebnis „sehr gut“. In beiden Sonnenschutzmitteln ist ein chemischer Filter enthalten.

Eucerin und La Roche-Posay durchgefallen

Beiersdorf nutzt in der Eucerin Senitive Protect Kids Sun Spray LSF 50+ den Lichtschutzfaktor Homosalat. Dieser gehört zu den chemischen UV-Filtern, genauer gesagt zu den UVB-Filtern. Er steht in der Kritik, da vermutet wird, dass er hormonähnliche Wirkungen aufweist und als endokriner Disruptor wirken könnte. Bereits 2020 kritisierte Öko-Test den enthaltenden Filter.

Gerade bei Kindern wird aufgrund potenzieller hormonähnlicher Wirkungen der chemischen Filter häufig empfohlen, auf mineralische Alternativen zurückzugreifen. Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission überprüft den Stoff aktuell. Zurzeit ist Homosalat in Anhang VI der Kosmetikverordnung gelistet und gilt somit als gesundheitlich unbedenklich.

Ebenfalls durchgefallen ist das Produkt Anthelios Dermo-Pediatrics 50+ Lotion von La Roche-Posay (L’Oréal). Zwar setzt der Hersteller auf physikalische Filter, doch Öko-Test fand PEG und PEG-Derivate, Paraffine und Silikone. Laut einigen Herstellern sind die enthaltenen Kunststoffverbindungen unerlässlich, da sie die Cremes wasserfest machten. Andere Produkte kommen jedoch ohne aus – sind aber dennoch als „wasserfest“ ausgelobt: Dazu zählen beispielsweise die Naturkosmetikprodukte. Für Gewässer können die Verbindungen zum Problem werden, erklärt Öko-Test, denn Silikone & Co. sind nur schwer abbaubar.

Übrigens: UVB-Strahlen sind weniger energiereich als UVA-Strahlen. Sie sorgen für die Bräune und die Vitamin-D-Produktion im Körper. In Solarien kommen vornehmlich Röhren mit ausschließlichem UVA-Licht zum Einsatz. Demensprechend bleibt eine Bildung des Vitamins aus. UVB-Licht verursacht Sonnenbrand, währenddessen UVA-Strahlung vornehmlich für die Hautalterung verantwortlich ist.

Weitere Anmerkungen betreffen den Rezyklat-Anteil in der Primärverpackung. Hierunter versteht man den Anteil in der Verpackung, der aus wieder aufbereitetem Kunststoff besteht. Dabei existieren zwei Gruppen von Rezyklaten: Zum einen gibt es die Post Industrial Rezyklate, die aus industriellen Abfällen gewonnen werden, und zum anderen die Post Consumer Rezyklate, die aus Abfällen von Endverbrauchern gewonnen werden.

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