Keine Gratis-Tests in Apotheken? Verband stiftet Verwirrung

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Berlin - Die Apotheken sollen sich derzeit darauf vorbereiten, ab März kostenlose Corona-Schnelltests durchzuführen: Sie sollen sich am besten an Kommune, Gesundheitsamt und nicht zuletzt Kammer oder Verband wenden, um organisatorische Fragen zu klären. Eine Apothekerin aus Thüringen hat genau das versucht – und weiß nun noch weniger als vorher. Denn der Verband teilte ihr mit, dass die Apotheken gar keine Beauftragung erhalten würden. Das habe das Gesundheitsministerium so entschieden. Der Verband weist das zurück – doch Klarheit bringt auch das nicht wirklich.

Apothekerin Nicole Schuhmann* spielt nicht nur mit dem Gedanken, sich bei der Testung der Bevölkerung einzubringen, sie tut es schon mit einem eigenen Testzentrum. Doch wie kann sie das in die neuen Teststrategie einbinden und welche Möglichkeiten bieten sich? „Als wir von den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums gelesen haben, haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir unser Testzentrum ausbauen können und ob wir das mit dem geplanten Honorar von 18 Euro überhaupt abbilden können. Nachdem wir in den vergangenen Wochen oft sehr schnell handeln mussten, wollte ich einmal etwas mit ein wenig Vorlauf planen“, sagt sie. „Ich dachte, da wäre der Verband der richtige Ansprechpartner.“

Also wandte sie sich an den Thüringer Apothekerverband (ThAV) mit der Bitte um Information – und wurde nach eigener Darstellung böse überrascht. Man teilte ihr mit, sie brauche sich über das Thema überhaupt keine Gedanken zu machen, denn die Apotheken seien in Thüringen ohnehin nicht für die kostenlosen Schnelltests eingeplant. „Die Dame erklärte mir, dass die Thüringer Landesregierung keine Beauftragung von Apotheken vornehmen wollen, sondern ausschließlich Arztpraxen beauftragt werden sollen.“

Ungläubig habe sie mehrmals nachgefragt, sagt Schuhmann, denn schließlich hätte eine solche Entscheidung weitreichende Folgen für sie. „Ich habe direkt in der Apotheke angerufen und gesagt, dass wir unser Testzentrum schließen können“, erzählt sie. „Denn wenn die Ärzte dann die kostenlosen Tests anbieten, kommt doch kein Mensch mehr zu uns, wo er dafür zahlen muss.“ Auch deshalb habe sie nachgebohrt: Sie habe sich gefragt, wie die Ärzte das leisten sollen und wieso die ebenso überlasteten Praxen ein Interesse daran haben sollten. „Da wird dann schon ein Hilferuf kommen“, sei ihr gesagt worden.

Die Landesregierung will sich dazu noch nicht eindeutig äußern. „Wir arbeiten noch an unserer Strategie zur Umsetzung der Ankündigung des Bundesministers“, so eine Sprecherin des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Allerdings gebe es bezüglich der Pläne des Bundesgesundheitsministeriums zu den Tests für alle noch viele offene Fragen. „Insofern sind verbindliche Auskünfte zur Umsetzung in Thüringen aktuell noch nicht möglich.“

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