Thüringen

Keine Gratis-Tests in Apotheken? Verband stiftet Verwirrung APOTHEKE ADHOC, 23.02.2021 15:29 Uhr

  • Abstriche nur in Praxen? In Thüringen herrscht Verwirrung, ob die Apotheken bei der Durchführung kostenloser Corona-Tests einbezogen werden oder nicht. Foto: SeventyFour/Shutterstock.com
Berlin -

Die Apotheken sollen sich derzeit darauf vorbereiten, ab März kostenlose Corona-Schnelltests durchzuführen: Sie sollen sich am besten an Kommune, Gesundheitsamt und nicht zuletzt Kammer oder Verband wenden, um organisatorische Fragen zu klären. Eine Apothekerin aus Thüringen hat genau das versucht – und weiß nun noch weniger als vorher. Denn der Verband teilte ihr mit, dass die Apotheken gar keine Beauftragung erhalten würden. Das habe das Gesundheitsministerium so entschieden. Der Verband weist das zurück – doch Klarheit bringt auch das nicht wirklich.

Apothekerin Nicole Schuhmann* spielt nicht nur mit dem Gedanken, sich bei der Testung der Bevölkerung einzubringen, sie tut es schon mit einem eigenen Testzentrum. Doch wie kann sie das in die neuen Teststrategie einbinden und welche Möglichkeiten bieten sich? „Als wir von den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums gelesen haben, haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir unser Testzentrum ausbauen können und ob wir das mit dem geplanten Honorar von 18 Euro überhaupt abbilden können. Nachdem wir in den vergangenen Wochen oft sehr schnell handeln mussten, wollte ich einmal etwas mit ein wenig Vorlauf planen“, sagt sie. „Ich dachte, da wäre der Verband der richtige Ansprechpartner.“

Also wandte sie sich an den Thüringer Apothekerverband (ThAV) mit der Bitte um Information – und wurde nach eigener Darstellung böse überrascht. Man teilte ihr mit, sie brauche sich über das Thema überhaupt keine Gedanken zu machen, denn die Apotheken seien in Thüringen ohnehin nicht für die kostenlosen Schnelltests eingeplant. „Die Dame erklärte mir, dass die Thüringer Landesregierung keine Beauftragung von Apotheken vornehmen wollen, sondern ausschließlich Arztpraxen beauftragt werden sollen.“

Ungläubig habe sie mehrmals nachgefragt, sagt Schuhmann, denn schließlich hätte eine solche Entscheidung weitreichende Folgen für sie. „Ich habe direkt in der Apotheke angerufen und gesagt, dass wir unser Testzentrum schließen können“, erzählt sie. „Denn wenn die Ärzte dann die kostenlosen Tests anbieten, kommt doch kein Mensch mehr zu uns, wo er dafür zahlen muss.“ Auch deshalb habe sie nachgebohrt: Sie habe sich gefragt, wie die Ärzte das leisten sollen und wieso die ebenso überlasteten Praxen ein Interesse daran haben sollten. „Da wird dann schon ein Hilferuf kommen“, sei ihr gesagt worden.

Die Landesregierung will sich dazu noch nicht eindeutig äußern. „Wir arbeiten noch an unserer Strategie zur Umsetzung der Ankündigung des Bundesministers“, so eine Sprecherin des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Allerdings gebe es bezüglich der Pläne des Bundesgesundheitsministeriums zu den Tests für alle noch viele offene Fragen. „Insofern sind verbindliche Auskünfte zur Umsetzung in Thüringen aktuell noch nicht möglich.“

Der Verband selbst wiederum dementiert – eine solche Aussage sei nicht getätigt worden, es handele sich wohl eher um ein Missverständnis: In Thüringen sei geplant, dass die Hausärzte die Tests an Lehrern und Schülern vornehmen und dabei die Apotheken außen vorbleiben. Außerdem seien alle nötigen Informationen im Mitgliederbereich einsehbar. Doch Schuhmann widerspricht dem entschlossen: Sie habe mehrmals nachgefragt und ihr sei konkret erklärt worden, dass die Apotheken im Freistaat nicht in die Durchführung kostenloser Tests einbezogen würden.

Auch dass der Verband die notwendigen Infos bereits zur Verfügung stelle, sei so nicht korrekt: „Ich habe den ganzen Mitgliederbereich durchgeschaut und das Aktuellste, was ich da finde, sind die Schnellinfos. Und da steht nichts, was ich gebrauchen kann.“ Sie vermute, dass die Verbandsmitarbeiterin eventuell versehentlich eine Information herausgegeben habe, die noch nicht offiziell ist, sagt sie. So oder so, mache sie das Gebaren des Verbandes wütend: Erst verweigere man ihr die Hilfe, dann dementiere man im Nachhinein das Gesagte. „Wir zahlen so viel Kohle, damit die uns unterstützen. Und wenn es dann solche wichtigen Infos gibt, kommt keine klare Kommunikation!“

Doch beide Seiten bleiben bei ihrer Version der Geschichte. Was sagen also die Ärzte dazu? Die zeigen sich ebenso überrascht. „Bei uns sind bisher keine Zeichen eingegangen, dass die Apotheken an der Durchführung kostenloser Schnelltests nicht beteiligt werden sollen“, sagt Dr. Ulf Zitterbart, Vorsitzender des Thüringischen Hausärzteverbands. „Ganz im Gegenteil, wir freuen uns, über eine breite Beteiligung anderer Heilberufler. Aber die Relation von Kosten, Aufwand und Nutzen muss stimmen. Wir sind dabei, wenn es vernünftig organisiert und finanziert wird – und dann sehr gern Seite an Seite mit den Apothekern.“

*Name von der Redaktion geändert