Im Klinikbereich wird es keine Fusion der Einkaufsgemeinschaften Vivecti und Sana SEL geben. Nachdem das Bundeskartellamt substantielle Bedenken geltend gemacht hatte, wurde der geplante Zusammenschluss abgesagt.
Vivecti und Sana hatten vor einem Jahr verkündet, eine strategische Partnerschaft einzugehen: Sana soll seinen Einkaufsverbund an Vivecti übertragen und im Gegenzug einen 21-prozentigen Anteil an Vivecti erhalten. Durch den Zusammenschluss sollte laut Firmenangaben ein Einkaufsverbund mit einem Umsatz von 7 Milliarden Euro liegen. Vivecti sollte künftig rund 700 Mitarbeitende beschäftigen und mehr als 6000 Leistungserbringer als Kunden betreuen. Höhere Einkaufsvolumina sicherten ein niedriges Preisniveau, hieß es zur Begründung.
Doch die Anmeldung wurde gestern zurückgenommen. Ende Juni hatte das Bundeskartellamt substantielle Bedenken gegen den geplanten Zusammenschluss geltend gemacht. Die daraufhin von den Unternehmen vorgeschlagenen Zusagen waren laut Behörde nicht geeignet, den drohenden Wegfall des Wettbewerbs zu kompensieren. Bevor es in Bonn zu der angekündigten zeitnahen Entscheidung kam, wurde das Vorhaben von den Beteiligten selbst abgesagt.
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, räumte ein, dass Krankenhäuser auf leistungsfähige Einkaufsdienstleister angewiesen sind. Der Zusammenschluss von Vivecti und Sana SEL hätte den Wettbewerb aber erheblich geschwächt. „Zwar können größere Einkaufsvolumina bessere Konditionen ermöglichen. Eine zu starke Nachfragemacht kann aber auch zulasten der Lieferanten gehen und gerade in innovativen Branchen wie der Medizintechnik den Innovationswettbewerb schwächen.“
Auch sei keineswegs sicher, ob mögliche Vorteile überhaupt bei den Krankenhäusern ankämen oder vor allem den Eigentümern der Einkaufsdienstleister zugutekämen. „Gerade für kleinere, häufig kommunale Krankenhäuser, die ihren Einkauf nicht selbst organisieren können, drohen dadurch höhere Kosten. Entscheidend ist deshalb, dass zwischen den Einkaufsdienstleistern ausreichend Wettbewerb erhalten bleibt.“
Vivecti und Sana SEL stehen laut Kartellamt gemeinsam für deutlich mehr als 50 Prozent des Beschaffungsvolumens für medizinischen Sachbedarf, den Gesundheitseinrichtungen über die von Einkaufskooperationen verhandelten Konditionen beziehen. Die Märkte für Einkaufskooperationsdienstleistungen sind Plattformmärkte, die durch Größenvorteile und Netzwerkeffekte geprägt sind. Dadurch kann ein Selbstverstärkungseffekt entstehen, der es kleineren Wettbewerbern unmöglich macht, mit sehr großen Anbietern Schritt zu halten.
Vivecti wird vom Private-Equity-Investor Nordic Capital kontrolliert und bietet verschiedene Dienstleistungen im Gesundheitswesen an. Als Einkaufskooperation ist sie über ihre Tochtergesellschaft Prospitalia mit Sitz in Ulm tätig.
Sana SEL ist Teil der Sana Kliniken, dem drittgrößten privaten Klinikkonzern in Deutschland, der auch zahlreiche Medizinische Versorgungszentren (MVZ) betreibt. Eigentümer der Sana Kliniken sind verschiedene private Krankenversicherungsunternehmen.