Genossenschaft schickt Truck nach Heerlen

Guerilla-Aktion: Noweda protestiert vor DocMorris-Zentrale

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Berlin -

Die Noweda ist zur Stunde mit einem Protest-Lkw vor der DocMorris-Zentrale im niederländischen Heerlen unterwegs. Die Genossenschaft will unter dem Motto „Anpacken statt Einpacken“ auf den „herausragenden Einsatz“ der Vor-Ort-Apotheken aufmerksam machen. Das 18 Quadratmeter große Display auf der Ladefläche weist auf die Leistungen der stationären Apotheke in der Pandemie hin – und stellt in Richtung DocMorris die Frage: „Und was machst Du so?“ 

Die Apotheken leisten der Noweda zufolge derzeit Großes: „Sie sorgen dafür, dass jede Woche Millionen Impfdosen sicher und schnell an Ärzte geliefert werden.“ Sie seien es, die durch beherztes Anpacken einen lebenswichtigen Beitrag im Kampf gegen das Virus leisteten – und bildeten damit das Rückgrat der bundesweiten Impfkampagne. „Der Beitrag der EU-Arzneimittelversender im Kampf gegen das Virus geht hingegen gegen Null.“

„Lieber DocMorris, rund 30 Millionen Corona-Impfdosen. Von den Apotheken direkt zu den Ärzten. So geht Impfturbo! Und was machst Du so?“ So lautet etwa ein Slogan der neuen Kampagne der Genossenschaft. „Diese Passivität auf der einen und der außerordentlich große Einsatz der Apotheken auf der anderen Seite werden von der Noweda in der neuen Kampagne aufgegriffen.“

Die Kernbotschaft der Kampagne laute: „Lokale Apotheken packen AN. EU-Arzneimittelversender packen EIN.“ Dass der Versandhandel „Rosinenpickerei“ betreibe und die Vor-Ort-Apotheken die wesentlichen, teilweise lebenswichtigen Gesundheitsleistungen erbrächten, sei keine Neuigkeit, sagt Noweda-Chef Dr. Michael Kuck. „Doch wie wichtig diese Gesundheitsleistungen der Apotheken im Ernstfall sind, zeigt uns die Pandemie gerade sehr deutlich. Aktuell vor allem durch die Versorgung der Vertrags-, Haus- und Betriebsärzte mit Impfstoffen – die Apotheker:innen leisteten Tag für Tag Großes! Es ist nicht auszudenken, wie sich ein weiteres Ausdünnen des Apothekennetzes in einer Ausnahmesituation wie dieser auswirken würde.“

Der Versandhandel habe währenddessen vor allem mit Umsatzzuwächsen geglänzt, da Onlinekäufe branchenübergreifend zugenommen haben – eine Entwicklung, die das Apothekensterben weiter vorantreibe, warnt er.

Mit der Aktion antwortet die Noweda laut eigenen Angaben auf die jüngste DocMorris-Endverbraucherkampagne, mit der sich DocMorris als „Das neue Gesund“ positioniert hatte. So fragte die Versandapotheke im Frühjahr in ihrer Werbung, warum man Gesundheit nicht „neu denken“ könne, und zielte dabei auf das bevorstehende E-Rezept ab. „Versandhändler bringen sich bereits in Position, um zum Start des E-Rezepts möglichst viele Verordnungen abzugreifen, die sonst in der örtlichen Apotheke landen würden. Es ist daher wichtig zu verdeutlichen, dass Versender eben keine Apotheken sind und auch nur einen Bruchteil der apothekerlichen Leistungen erbringen. Dieser Sachverhalt ist vielen Menschen nach wie vor nicht bewusst“, betont Kuck.

Das Credo der neuen Noweda-Kampagne sei „selbstbewusst, provokant, frech“. „Mit ihr wollen wir nicht nur das große Engagement der Apotheken und deren Bedeutung für die Gesellschaft in den Vordergrund stellen, sondern zugleich einen Blick hinter die Marketingkulisse von Doc Morris werfen. Oder, um bei den blumigen Worten der Zur Rose-Tochter zu bleiben: Wo ist ‚Das neue Gesund‘, wenn es drauf ankommt?“, so Dr. Joachim Reinken, Leiter der Unternehmenskommunikation.

Die Aktion vor der DocMorris-Zentrale soll nur der Auftakt gewesen sein. Weitere Maßnahmen sind bereits geplant, werden aber noch nicht verraten. Bereits vor zwei Jahren hatte die Noweda unter dem Motto „Don‘t trust Rüdiger“ mit einer provokanten Kampagne für die Apotheke vor Ort geworben. Über soziale Netzwerke wurde ein Video verbreitet, das den zwielichtigen Lieferanten eines Versandhändlers vor seinem Kofferraum beim Burgeressen zeigte. „Würdest du denen vertrauen?“, hieß es in dem Video.

DocMorris wiederum war 2013 mit einem Apothekenbus durch Deutschland getourt, um auf die eigenen Konzepte und Ideen hinzuweisen. Vielerorts machten Apotheker:innen parallel mit eigenen Aktionen auf sich aufmerksam. In der Gemeinde Maasholm in Schleswig-Holstein musste DocMorris selbst auf Guerilla-Methoden ausweichen: Der Bürgermeister wollte die Werbung für die Versandapotheke nicht im Dorfzentrum haben. Diese Absage wollte DocMorris nicht auf sich sitzen lassen und besuchte den Ort an der Schlei zu Fuß – wenigstens für ein Foto.

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