Generikakonzerne

Auflagen für Teva und Allergan

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Berlin -

Allergan spaltet sich auf: Die Generika sollen an Teva verkauft werden, das Originalgeschäft an Pfizer gehen. Die EU-Kommission hat dem ersten Deal jetzt mit Einschränkungen zugestimmt. In Großbritannien, Irland und Island muss Teva Zugeständnisse machen.

Ende 2014 hatte Actavis den Botox-Hersteller Allergan für 66 Milliarden US-Dollar gekauft. Im vergangenen Jahr nahm der Konzern den neuen Namen an, um sich kurze Zeit später von seinem ehemaligen Kerngeschäft zu trennen: Die komplette Generikasparte soll für 40,5 Milliarden US-Dollar an Teva gehen.

In den USA warnen Kritiker vor einer allzu starken Marktkonzentration. In Europa waren die Überschneidungen überschaubarer: Schon 2014 hatte Actavis sein Geschäft in Deutschland und anderen westeuropäischen Märkten an den indischen Hersteller Aurobindo verkauft. Seit Ende vergangenen Jahres werden die Produkte auf die neue alte Marke Puren umgestellt.

In Großbritannien, Irland und Island waren jedoch Teva und Actavis/Allergan weiter präsent – beide Hersteller gehörten zu den führenden Anbietern von Generika am Markt. Die EU-Kommission genehmigte den Deal daher nur unter der Auflage, dass ein Teil des Geschäfts in den betroffenen Märkten verkauft wird. „Nur durch wirksamen Wettbewerb zwischen den Generikherstellern können die Preise für die Patienten und Gesundheitssysteme gesenkt werden“, sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager.

Teva zahlt fast das Sechsfache des Generikaumsatzes von Allergan. Knapp 34 Milliarden Dollar fließen in bar, der Rest in Aktien, sodass die Allergan-Aktionäre künftig 10 Prozent der Anteile an Teva halten. Der Umsatz des neuen Giganten liegt bei 26 Milliarden Dollar – rund 20 Milliarden Dollar kommen von Teva, der Rest von Actavis/Allergan.

Der Konzern ist mit seinen Produkten in 100 Ländern vertreten, in 40 Märkten gehört Teva dann zu den Top 3. 55 Prozent der Erlöse entfallen auf die USA, 61 Prozent auf Generika, der Rest auf Spezialpräparate und OTC-Produkte. Der operative Gewinn soll zunächst bei knapp 10 Milliarden Dollar liegen, ab 2018 sollen jährlich 1,4 Milliarden Dollar an Kosten und Steuern eingespart werden. Dann soll der Umsatz schon auf 28 Milliarden Dollar ausgebaut sein.

Zum Deal gehören auch die weltweiten Forschungs- und Produktionsaktivitäten sowie die Lohnherstellung (Medis) und das internationale OTC-Geschäft mit Ausnahme der Augenpflegemittel. Weltweit bleiben 12 Fabriken bei Allergan. Die Erlöse mit Revlimid (Lenalidomid) teilen sich die beiden Konzerne bis auf Weiteres.

Allerdings bleibt auch Allergan mit seinen Marken- und Ästhetikprodukten (Botox) sowie seinen Ophthalmika und seiner Biosimilar-Pipeline nicht allein zurück: Pfizer legt rund 160 Milliarden US-Dollar für den verbleibenden Teil von Allergan auf den Tisch.

Zum Portfolio gehören außerdem die Bereiche Gastroenterologie, Frauengesundheit, ZNS, Urologie und Antiinfektiva; die Erlöse belaufen sich auf 15,5 Milliarden Dollar – verglichen mit 6,2 Milliarden Dollar vor der Übernahme durch Actavis.

Die beiden Übernahmen sind der Höhepunkt in einem regelrechten Übernahmereigen: Vor vier Jahren kaufte der US-Generikakonzern Watson den bis dahin isländischen Konkurrenten Actavis, bei dem infolge der Finanzkrise die Deutsche Bank die Macht übernommen hatte. Watson nahm den neuen Namen an – um kurz darauf das Europageschäft an Aurobindo zu verkaufen. Im Herbst 2014 legte der Konzern dann die Rekordsumme von 66 Milliarden US-Dollar für Allergan auf den Tisch und nahm abermals den neuen Namen an.

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