Apothekenkooperationen

Vom grünen Kreuz zu Apo-Rot

, Uhr
Berlin -

Die Vita-Apotheken in Elmshorn und Pinneberg haben eine recht bunte Geschichte. In den vergangenen Jahren haben sie mehrfach den Namen gewechselt. Seit Mai gehören beide zur Kooperation Apo-Rot. Das Ehepaar Cordula und Claus Niemeyer setzt jetzt auf OTC-Preise aus dem Internet und eine bekannte Marke.

Die Versandapotheke Apo-Rot mit Sitz in Hamburg (Apotheke am Rothenbaum) bietet Apotheken die Teilnahme an der gleichnamigen Kooperation an. Die Markenpartner zahlen eine Aufnahmegebühr von 2500 Euro. Lizenzgebühr und Kooperationshonorar summieren sich auf einen Monatsbeitrag von 1050 Euro.

Dafür können die Apotheken die Marke nutzen und Apo-Rot führt zum Start Werbemaßnahmen im Wert von 5000 Euro durch. Zudem gibt es einen Gebietsschutz für einen Einzugsbereich von mindestens 50.000 Einwohnern. Apo-Rot verfügt auch über Eigenmarken, zum Sortiment gehören etwa Paracetamol, Ibuprofen oder eine Vitalkost. Üblicherweise wird der alte Apothekenname beibehalten und um ein vorgestelltes Apo-Rot ergänzt.

So auch bei den beiden Vita-Apotheken der Niemeyers. Damit hat Apo-Rot das zweite Dutzend Markenpartner voll gemacht. In diesen Apotheken können Kunden ihre Arzneimittel abholen, die zuvor online bei Apo-Rot bestellt haben. Das Geschäft macht dann die Apotheke vor Ort, allerdings zu den häufig sehr aggressiven OTC-Konditionen der Versandapotheke.

Apo-Rot schickt den Mitgliedsapotheken dazu wöchentlich eine Preisdatei. „Natürlich sind wir nicht daran gebunden, wir können die Preise auch nur teilweise oder gar nicht übernehmen“, so Claus Niemeyer. Er hat sich aber dafür entschieden, die Internetpreise 1:1 zu übernehmen, um Diskussionen mit den Kunden zu vermeiden.

Liegt Apo-Rot bei einem Präparat mit einem echten Kampfpreis einmal unter seinem Einkaufspreis, bestellt Niemeyer das Produkt selbst bei Apo-Rot und gibt es am nächsten Tag an den Kunden ab. „So machen wir auf keinen Fall Verlust und der Kunde ist zufrieden“, sagt Niemeyer.

Das sei aber ohnehin die Ausnahme, weil sich mit der Mitgliedschaft auch seine Einkaufskonditionen beim Großhandel verbessert hätten. Apo-Rot habe mit verschiedenen Großhändlern Rabatte vereinbart, auf die die Kooperationspartner zurückgreifen könnten. Unter dem Strich lohne sich das Modell für seine Apotheken, zumal die Kundenfrequenz gestiegen sei.

Zunächst hatten es die Niemeyers mit DocMorris versucht. Im Mai 2011 erlaubten die beiden Apotheken der gleichnamigen niederländischen Versandapotheke sogar den Betrieb von Pick-up-Stellen in den Apotheken. Doch damals gehörte DocMorris noch zu Celesio und das Stuttgarter Management gab das Pick-up-Modell beim ersten rechtlichen Angriff ohne nennenswerten Widerstand auf. Die insgesamt drei Pilotprojekte verschwanden wieder.

Da Niemeyer das grüne Kreuz außen an seiner Apotheke durch ein rotes Apotheken-A ersetzte und es zudem Zwist um Mitgliedsbeiträge gegeben haben sollte, trennten sich die Wege 2012. Der spürbarste Effekt laut Niemeyer: Endlich kamen wieder mehr Patienten mit einem Rezept in die Apotheke. Ein schwächeres Rx-Geschäft ist ein Phänomen, das auch andere DocMorris-Apotheker beschrieben.

Ärger mit DocMorris gab es trotzdem noch: Der neue Schriftzug der Apotheken ProVita war ebenfalls schwarz-grün und dem DocMorris-Logo nicht unähnlich. Schließlich wurde der Name der beiden Apotheken wieder geändert – zurück zum ursprünglichen Namen Vita-Apotheke.

Eine Zeitlang habe er nach dieser Erfahrung dann die Nase voll gehabt von Kooperationen, berichtet Niemeyer. Ganz ohne Verbund gehe es aber auch nicht besser. Er sah sich auf dem Markt um und entschied sich schließlich für Apo-Rot: „Das entsprach am meisten unserem eigenen Verständnis: OTC-preisaktiv und versandaffin“, so Niemeyer.

Bereits im Februar flaggte die Apotheke in Pinneberg um, im Mai folgte die Apotheke in Elmshorn. Bislang ist Niemeyer mit dem Wechsel sehr zufrieden: Die Eigenmarken von Apo-Rot verkauften sich auch gut und die OTC-Konditionen hätten das Kundenaufkommen erhöht. Damit kämen unter dem Strich auch mehr Rezepte in die Apotheke.

Im März hatte Apo-Rot zudem die Apotheke Q5 in Mannheim als Partner gewonnen. Weitere Apotheken unter der Marke gibt es etwa in Berlin, Kiel und Zwickau. Die Zusammenarbeit mit den online-Ärzten von DrEd wurde dagegen beendet.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr aus Ressort
Apothekenprodukte bestenfalls mittelmäßig
Öko-Test: Weichmacher in Kindersonnenschutz
Alliance Healthcare Deutschland
Gerlach besucht Großhändler

APOTHEKE ADHOC Debatte