„Aktionsbündnis Apotheken-Rettung“: Kanzleien werben um AvP-Kunden

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Berlin -

„Das ist auch für einen erfahrenen Insolvenzverwalter kein gewöhnliches Verfahren“, sagte AvP-Insolvenzverwalter Dr. Jan-Philipp Hoos eine Woche nach seiner Bestellung und meinte damit neben dem medialen Interesse vor allem die hohen Forderungen und die hohe Zahl der Gläubiger. Entsprechend werden auch außergewöhnliche Maßnahmen nötig, um bestmögliche Ergebnisse für die Gläubiger herauszuholen: In Berlin haben sich jetzt drei renommierte Kanzleien mit unterschiedlicher Expertise zusammengetan, um ein möglichst starkes Gläubigerbündnis zu schmieden.

„Es ist das alte Prinzip ‚teile und herrsche‘: Je kleiner die Interessengruppen sind, desto weniger haben sie zu sagen“, erklärt Professor Dr. Christian Dierks. „Sowohl der Insolvenzverwalter als auch das Gericht haben eine bestimmte Vorstellung von der Höhe der Forderungen. Wenn man als Einzelanwalt auftritt und sagt, dass man Forderungen in Höhe von 120.000 Euro vertritt, hat man weniger Gewicht als der Anwalt dutzender Apotheken mit Forderungen in Millionenhöhe. Das ist ein Anteil mit hoher Relevanz, der nicht ignoriert werden kann – wenn man eine bestimmte Größe erreicht, wird man beachtet.“

Dierks vertritt seit 25 Jahren auch Apotheken – bis 2017 mit Dierks+Bohle, seit 2018 mit seiner eigenen Kanzlei Dierks+Company – und hatte dementsprechend in den vergangenen Wochen einige Anfragen von Mandanten, die nun in der AvP-Schuldenfalle sitzen.

Schnell sei ihm jedoch klar geworden, dass es in dem Fall eines größeren Ansatzes bedarf. „Wir haben Expertise im Apothekenrecht, sind aber keine Insolvenzrechtsexperten.“ Also kontaktierte Dierks Professor Dr. Volker Römermann, einen der bundesweit renommiertesten Insolvenzanwälte und seit über 20 Jahren Vorstandsvorsitzender des Instituts für Insolvenzrecht. „Herr Römermann ist eine Kapazität auf seinem Gebiet, hat bereits mehrere Konzerne vertreten und einen der wichtigsten Kommentare im Gesellschaftsrecht verfasst. Wir haben uns dann zusammengesetzt und relativ schnell festgestellt, dass wir mit zwei oder drei Apotheken nicht entsprechend im Gläubigerausschuss sprechen können. Wir brauchen also mehr Mandanten – und einen weiteren Partner.“

So kam der dritte Player ins Spiel: die Kanzlei Gansel aus Berlin. Mit über 300 Mitarbeitern ist die nicht nur eine der größten Kanzleien in Deutschland, sondern auch die wichtigste Instanz für Massenschadensfälle. „In der Diesel-Affäre hat Gansel 27.000 Klagen in kürzester Zeit erstellt und anhängig gemacht“, sagt Dierks. „Das kann niemand sonst in Deutschland. Es lag also auf der Hand, ein Bündnis zu schmieden.“ Gemeinsam haben die drei Kanzleien deshalb am Dienstag offiziell das „Aktionsbündnis Apotheken-Rettung (AvP)“ aus der Taufe gehoben und wollen es nach eigenen Angaben zu einem „zentralen Interessenvertreter für betroffene Apotheken“ ausbauen.

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