Schweiz

Sterbehilfe: Apotheker verweigern Pentobarbital Eugenie Ankowitsch, 10.04.2018 15:06 Uhr

Berlin - Seit einigen Jahren begleitet Hausärztin Erika Preisig in der Schweiz Sterbewillige in den Tod. Nun hat die Baselbieter Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen sie eröffnet. Angestoßen hat das Verfahren das Heilmittelinstitut Swissmedic, das Preisig sowie eine Baselbieter Apothekerin beschuldigt, gegen das Heil- und Betäubungsmittelgesetz verstoßen zu haben. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht der Bezug des tödlichen Arzneimittels Natrium-Pentobarbital (NaP). Aus Sorge, in die Ermittlung der Staatsanwaltschaft hineingezogen zu werden, verweigern offenbar auch andere Apotheker die Abgabe des Präparats an Preisig.

Tatsächlich arbeitete Preisig nach Informationen der Medien bis zur Verfahrenseröffnung Ende 2017 nur mit mündlichen Vollmachten. Demnach stellte sie als Ärztin das Rezept für das Mittel aus, holte es in einer Baselbieter Apotheke selber ab und übergab es dem Sterbewilligen. Damit, glaubte die Hausärztin aus Biel-Benken, alles richtig zu machen.

Ein solches Vorgehen entsprach wohl auch der ausdrücklichen Empfehlung des Kantonsapothekers Hans-Martin Grünig. Demnach sei das Präparat ausschließlich direkt an den zuständigen Arzt auszuliefern. In einem Positionspapier der Kantonsapotheker zur Abgabe von NaP heißt es weiter, dass die „Aufbewahrung der Substanz in der Regel durch den verordnenden Arzt erfolgt“. Nur in Ausnahmefällen könne der Sterbewillige in Absprache mit dem verordnenden Arzt die Vollmacht zum Bezug und zur Aufbewahrung des Präparates an eine andere Person erteilen.

„An erster Stelle steht für mich die Arzneimittelsicherheit“, sagte Grünig gegenüber APOTHEKE ADHOC. Ein Präparat wie NaP dürfe nicht in falsche Hände gelangen. „Die Menge, die jeweils abgegeben wird, reicht, um zwei bis drei Personen zu töten. Für uns geht es darum, einen möglichen Missbrauch zu verhindern“, so der Kantonsapotheker, der zwar immer noch eine Abgabe an Ärzte befürwortet, nun aber auf das Erfordernis einer schriftlichen Vollmacht hinweist. Im Positionspapier der Kantonsapotheker wird eine solche zumindest für den verordnenden Arzt allerdings nicht verlangt.

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