Gewissensklausel für Apotheker abgelehnt

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Berlin -

Die französische Apothekerkammer hat sich gegen die Einführung einer Gewissensklausel im Ethikkodex des Berufsstandes entschieden. Der Artikel war zuvor in der Öffentlichkeit, insbesondere in sozialen Medien, kontrovers diskutiert worden.

Die Gewissensklausel sollte die Formulierung enthalten, dass ein Apotheker Dienstleistungen verweigern kann, die sich gegen das menschliche Leben richtet. Ursprünglich war die Klausel dazu gedacht, dem Berufsstand zu ermöglichen, Medikamente zur Sterbehilfe nicht abgeben zu müssen. Denn seit März 2015 ist es in Frankreich erlaubt, sterbende Patienten mit der entsprechenden Verfügung durch Arzneimittel in einen tödlichen Tiefschlaf zu versetzen.

In der französischen Öffentlichkeit entspann sich um die Gewissensklausel aber eine ganz andere Diskussion: Kritiker befürchteten, dass Apotheker sich auf den Satz zurückziehen könnten, um etwa aus religiösen Gründen die „Pille danach“ zu verweigern. Frankreichs Familienministerin Laurence Rossignol erkannte in der Klausel einen potenziellen Eingriff in Frauenrechte.

Kammerpräsidentin Isabelle Adenot empfahl angesichts dieser Diskussionen, die Gewissensklausel nicht in den neuen Ethikkodex zu übernehmen. Dabei hatte die Kammer zuvor 75.000 Apotheker zu einer Online-Abstimmung über den Paragraphen aufgefordert: 3400 beteiligten sich an dem Voting; 85 Prozent davon sprachen sich für den Artikel im Kodex aus.

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