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Pharma-Milliardär krallt sich die LA Times Tobias Lau, 09.02.2018 17:00 Uhr

Berlin - Der Pharmamilliardär Patrick Soon-Shiong hat das Traditionsblatt Los Angeles Times gekauft, eine der auflagenstärksten Tageszeitungen der USA. Er tut es damit Amazon-Chef Jeff Bezos gleich, der 2013 die Washington Post erworben hat. Und wie Bezos ist auch Soon-Shiong in seiner Branche umstritten.

In der US-amerikanischen Pharmaindustrie hat Soon-Shiong es in den letzten Jahrzehnten zu einiger Bekanntheit gebracht. Das Forbes Magazine nennt ihn den „reichsten Arzt der Welt“, der am „Manhattan Project der Medizin“ arbeite. Soon-Shiong selbst ist da nicht bescheidener: Er werde noch zu seinen Lebzeiten „den Krieg gegen den Krebs gewinnen“, sagt der rund 7,7 Milliarden US-Dollar schwere 65-Jährige, der früher als Pionier der Transplantationschirurgie galt. Tatsächlich hat er eine beeindruckende Vita: Seine Eltern flohen während des Zweiten Weltkriegs aus China nach Südafrika. Dort wuchs Soon-Shiong im rassistischen Apartheidsregime auf und schaffte es allen Widerständen zum Trotz, sich nach oben zu arbeiten. Als erster Chinesischstämmiger wurde er zu einer Famulatur am Johannesburg General Hospital zugelassen, wo er auf der Krebsstation arbeitete. Ein weißer Patient weigerte sich damals ihm gegenüber, sich von einem „Chinamann“ behandeln zu lassen, erinnerte er sich einst an diese Zeit zurück.

Denn die war nach eigenen Angaben ausschlaggebend für seine Entscheidung, ins Mediengeschäft einzusteigen. Die Ungerechtigkeit am eigenen Leib zu erfahren, habe ihm die Bedeutung der Pressefreiheit verdeutlicht. Zeitungen seien für ihn die Stimme der Demokratie, sagte er 2016, als er 13 Prozent des Medienhauses Tronc erwarb, um es vor einer feindlichen Übernahme zu retten. Tronc verlegt neben der LA Times auch die San Diego Tribune und eine Reihe lokaler Zeitungen in Kalifornien. Alle diese Titel hat sich Soon-Shiong nun für 500 Millionen US-Dollar angeeignet.

In deren Redaktionen herrsche nun Erleichterung, berichten andere US-Medien. Denn wie die gesamte Printbranche hat auch die LA Times mit schrumpfender Auflage und schwindenden Anzeigeneinnahmen zu kämpfen – Verluste, Einsparungen und Entlassungen waren die Folge. Ein finanzstarker Gönner wie Soon-Shiong kommt da wie gerufen, um das Überleben des angesehenen Blattes zu sichern. Und der Milliardär beteuert, wie sehr ihm daran gelegen sei: „Wir brauchen Zeitungen. Wir brauchen intellektuelle Integrität.“ Er sei von der Pressefreiheit in Nordamerika begeistert gewesen, als er damals von Südafrika nach Kanada und später Kalifornien übersiedelte. Dort nahm auch seine Karriere als Mediziner und Pharmaunternehmer an Fahrt auf.

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