Telemedizin

Online-Ärzte für Österreich

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Berlin -

Online-Ärzte aus Großbritannien stellen seit rund einem halben Jahr Rezepte für deutsche Patienten aus. Ab sofort gibt es die virtuelle Sprechstunde von „DrEd“ auch in Österreich. Mit einem entscheidenden Unterschied: Während in Deutschland die Versandapotheke Apo-Rot die Medikamente – meist Potenzmittel – verschickt, müssen die Österreicher zum Einlösen ihrer Rezepte auf jeden Fall eine Apotheke aufsuchen. Denn der Arzneimittelversand ist in der Alpenrepublik verboten. Die Macher von „DrEd“ setzen darauf, dass sich das bald ändert.

 

Weder in Deutschland noch in Österreich ist es zulässig, dass Ärzte Rezepte ausstellen, ohne den Patienten zuvor gesehen zu haben. In Großbritannien dagegen schon – Online-Rezepte gibt es bei „DrThom“ seit 2002, die Medikamente bringt exklusiv die Versandapotheke von Lloydspharmacy. Beide Unternehmen gehören zu Celesio. Ehemalige Mitarbeiter von „DrThom“ haben das Konzept mitgenommen und als „DrEd“ exportiert.

Für deutsche Patienten stellen die Ärzte von der Insel seit November Ferndiagnosen. „DrEd“-Marketingchef Jens Apermann zufolge haben bislang rund 5000 Kunden den Service genutzt. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hält das Konzept für unzulässig, die britischen Behörden haben mit dem Potenzexport kein Problem. Vermutlich muss der Europäische Gerichtshof (EuGH) darüber entscheiden.

Bereits entschieden hat der EuGH, dass Mitgliedstaaten nur den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln verbieten dürfen, nicht aber für OTC. Nach Apermanns Einschätzung ist das österreichische Versandverbot nicht europarechtskonform und damit nicht anwendbar. Bei der EU beschweren werde man sich aber vorerst nicht. Denn die österreichische Regierung suche derzeit selbst nach einer Lösung für das Versandproblem, meint Apermann.

Solange dürfte es „DrEd“ in Österreich schwer haben. Denn der Trumpf der Londoner Online-Ärzte ist die Anonymität. Wenn die Patienten mit ihrem bestellten Rezept trotzdem in eine Apotheke gehen müssen, fällt dieser Anreiz weg. Außerdem kassiert „DrEd“ pro „Behandlung“ bis zu 29 Euro.

 

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