Direktabrechnung: Scanacs sieht sich bestätigt

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Berlin - Der Verband Deutscher Apothekenrechenzentren (VDARZ) will, dass Apotheken künftig täglich mit den Krankenkassen abrechnen können. Mit dem E-Rezept ist das nämlich bald technisch möglich. Doch war da nicht was? Die Forderung ist nicht neu, Scanacs will das bereits seit Jahren und hat die Direktabrechnung zu einem bedeutenden Teil seines Geschäftsmodells gemacht. Könnte der VDARZ das also überflüssig machen? Nein, sagt Head of Consulting Jörg Weise. Dass die Rechenzentren nun aufspringen, sei eher eine Bestärkung als eine heraufziehende Konkurrenz.

Eigentlich war es das Steckenpferd des Dresdner Unternehmens: Noch in diesem Jahr will es in der Lage sein, Apotheken eine tagesgenaue Direktabrechnung zu ermöglichen. Derzeit läuft ein Pilotprojekt an, an dem 1000 Betriebe teilnehmen sollen. In Kombination mit der Echtzeit-Zuzahlungsprüfung soll das den Apotheken bald ermöglichen, retax-sicher tagesaktuelle Einnahmen zu generieren. Die Abrechnung geht dabei an den Rechenzentren vorbei – doch nun wollen die offenbar denselben Service bieten.

„Dass der VDARZ sich da vorwagt, ist interessant“, sagt Weise. „Wenn das Geschäftsmodell gut ist, kommt immer jemand, der das dann auch so machen will.“ Schlechtreden wolle er die VDARZ-Initiative allerdings nicht, betont er. „Es ist ja eigentlich eine ganz logische Konsequenz aus dem E-Rezept – was wir schon seit 2016 so sagen.“ Dafür hätten Krankenkassen ihm und Scanacs-Geschäftsführer Frank Böhme gegenüber regelmäßig wenig Verständnis für die Forderung gezeigt, täglich abzurechnen. Mittlerweile habe sich die Wahrnehmung auch bei den Kassen zwar etwas geändert – Scanacs hat mittlerweile Verträge mit 20 von ihnen geschlossen, zuletzt mit der Bahn BKK. Aber dass der VDARZ sich nun so positioniert, könne da weiteren Aufschub bringen. „Wir freuen uns, dass wir da nun einen Wegbegleiter haben, denn das ist ja eine Bestätigung unseres Geschäftsmodells. Wir diskutieren ja ohnehin die ganze Zeit mit den Kassen. Wenn jetzt ein ganzer Verband kommt und auf den GKV-Spitzenverband zugeht, bestärkt das doch unseren Standpunkt“, so Weise.

Außerdem komme der Sinneswandel nicht ganz überraschend, schließlich sei schon von oberster Stelle angedeutet worden, dass Handlungsbedarf herrscht: Denn erst kürzlich wurden die Rechenzentren mit dem Gesundheitsversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (GVWG) dazu verpflichtet, Treuhandkonten für ihre Kunden einzurichten. Die Neuregelung ist eine Konsequenz aus der AvP-Insolvenz und den Millionenverlusten, die dadurch für die AvP-Kunden entstanden sind. „Damit hat die Bundesregierung ja auch zum Ausdruck gebracht, dass sie den bisherigen Prozessen nicht mehr ganz traut und dass man sich da etwas ausdenken soll.“ Auch Scanacs hatte den AvP-Skandal als Beleg für den Nutzen des eigenen Geschäftsmodells gewertet: Wer vor allem Hochpreiser direkt abrechnet, könne von der Insolvenz eines Rechenzentrums weniger stark getroffen werden, schließlich geht das Geld umgehend ein.

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