Weniger Aufwand, mehr Durchblick

E-Rezept: Scanacs schreibt an Lauterbach

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Berlin -

Beim Direktabrechner Scanacs reagiert man schockiert auf die Aussage von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), wonach das E-Rezept bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht im Fokus steht. In einem offenen Brief zählt Geschäftsführer Frank Böhme auf, welchen Nutzen die digitale Verordnung hat.

Böhme weist die Behauptung zurück, das E-Rezept habe keinen Nutzen: „Gerade beim E-Rezept ist für alle Beteiligten klar, dass die Menschen die ärztliche Verordnung über eine App auf ihrem Smartphone einlösen. Dies ist bereits heute möglich und in vielen anderen Lebensbereichen ein etablierter Prozess. Der Papierweg unterstützt lediglich diejenigen, welche nicht über die entsprechende Technologie verfügen oder von dieser gegebenenfalls überfordert sein könnten. In beiden Fällen ist der Nutzen, bezogen auf den Gesamtprozess zwischen Arzt, Patient, Apotheke und Krankenkasse, sicherlich nicht identisch, jedoch eindeutig und erheblich.“

Böhme zählt auf, was aus seiner Sicht das E-Rezept ausmacht:

  • So erspare es chronisch kranken Patient:innen unnötige Wege zwischen Arztpraxis und Apotheke, indem sie unter anderem Folgerezepte ohne erneuten Praxis- oder Arztbesuch erhalten könnten.
  • Es entlaste Arztpraxen durch weniger persönliche Patientenkontakte, zum Beispiel im Rahmen der Fernbehandlung, und schaffe Zeit für die intensivere Therapie anderer Patient:innen.
  • Medikationsrisiken für Patient:innen würden durch die Bereitstellung von Medikationsdaten in Echtzeit für Arzt und Apotheke reduziert.
  • Infektionsrisiken könnten durch die Reduzierung persönlicher Kontakte vermieden werden.
  • Auch pflegende Angehörige würden bei der Beschaffung von Medikamenten entlastet.
  • Übertragungsfehler würden durch Wegfall von Medienbrüchen vermieden und damit Risiken in der Arzneimitteltherapie verringert.
  • Die Aufwände für die Rezeptprüfung in Apotheken würden zugunsten der Beratung von Patient:innen reduziert.
  • Dasselbe gelte für die Aufwände für die Rezeptprüfung in Krankenkassen.
  • Schließlich würden Erstattungszusagen und Kostenübernahmen für Arzneimittel durch Krankenkassen in Echtzeit sowie die Direktabrechnung gegenüber den Kostenträgern ermöglicht.
  • Außerdem liefere das E-Rezept wesentliche Informationen für die elektronische Patientenakte, erhöht deren Akzeptanz bei der Bevölkerung und ist damit ein kritischer Erfolgsfaktor.

„Wir haben gemeinsam mit vielen Partnern, auch in den Konnektathons der Gematik, intensiv an der Einführung des E-Rezeptes gearbeitet. Daher wissen wir, dass der Prozess funktioniert. Dies gilt sicherlich noch nicht für alle relevanten Beteiligten, aber doch für viele“, so Böhme.

„Wir empfehlen daher, die Vorreiter zu unterstützen, Ängste und Informationslücken abzubauen, um das Projekt E-Rezept konsequent weiter voranzutreiben und nicht kurz vor einer breiten Einführung zu bremsen. Das wäre ein fatales Signal für alle laufenden Digitalisierungsprojekte, auch dem der Digitalisierung der Befunde, und für die Innovationsfähigkeit des deutschen Gesundheitswesens insgesamt.“

In vielen europäischen Ländern sei das E-Rezept in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg eingeführt worden. „Unser eigenes deutsches E-Rezept-Projekt bietet nun sowohl die Möglichkeit, den verlorenen Anschluss wieder aufzuholen als auch auf dessen Grundlage künftig eine Vorreiterrolle in der Digitalisierung des Gesundheitswesens zu übernehmen“, so Böhme. Der ehemalige Sanofi-Manager hatte das Unternehmen gegründet und vor einem Jahr den IT-Konzern CompuGroup Medical (CGM) an Bord geholt.

Lauterbach hatte beim, „Praxischeck“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nicht nur die Fehleranfälligkeit, sondern auch den fehlenden Nutzen moniert: „Was bringt ein E-Rezept, das ich ausdrucken muss. Das kann noch nicht überzeugen.“ Er wolle solche Applikationen fokussieren, bei denen Patienten und Ärzte den Nutzen spüren. „Dinge wie E-Rezept und elektronische Krankschreibung müssen kommen, aber nicht so.“ Denn es sei kontraproduktiv für die Akzeptanz aller Beteiligten, wenn man Dinge durchboxe, die keinen spürbaren Nutzen hätten.

Neben dem „kollektiven Nutzen“ liege ihm die digitale Vernetzung von ambulantem und stationärem Bereich am Herzen – Stichwort: elektronische Patientenakte (ePa). „Was wirklich helfen würde, wäre die Digitalisierung von Befunden mit der Möglichkeit einer Suchfunktion. Das macht die Medizin definitiv besser.“ Hier sei er für ein „Windhundrennen“, um die Entwicklung deutlich zu beschleunigen.

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