GKV-Finanzen

Milliarden-Defizit: Kassenchefs zum Kassensturz bei Spahn Lothar Klein, 11.05.2020 14:31 Uhr

Berlin - Bereits vergangene Woche schlug Gesundheitsökonom Professor Dr. Wolfgang Greiner, der auch Mitglied des Sachverständigenrates des Gesundheitsministeriums ist, Alarm wegen der bevorstehenden Kostenexplosion bei den Krankenkassen nicht nur wegen der Folgen der Corona-Krise. Heute trifft sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit den Kassenchefs zum Kassensturz. Ein 14 Milliarden Euro tiefes Loch haben die Kassen ausgerechnet, berichtet der Tagesspiegel. Ein Anstieg der Beträge scheint daher unausweichlich.

Das Treffen werde, wie üblich in diesen Zeiten, nur als Telefonkonferenz stattfinden, berichtet der Tagesspiegel. Über allen Details werde dabei die Grundsatzfrage stehen, ob man jetzt auch noch den Krankenkassen, wo schon alle anderen Branchen nach Steuergeld rufen, durch üppige Zuschüsse aus der Notsituation heraushelfen solle. Oder ob man lieber hinzunehmen bereit sei, „dass die Beiträge durch die Decke gehen“ und die bereits am Boden liegende Wirtschaft durch höhere Lohnnebenkosten noch zusätzlich belastet und am Aufschwung gehindert werde.

Für das Treffen haben die Kassenchefs schon einmal aus ihrer Sicht einen Kassensturz ins Bundesgesundheitsministerium geschickt. „Wir werden dem Minister die dramatische Finanzsituation schildern“, zitiert der Tagesspiegel einen der Beteiligten, „und wir werden vehement höhere Bundeszuschüsse fordern.“ Offenbar erwarten die Kassen in diesem Jahr ein Defizit von mehr als 14 Milliarden Euro. Wenn der Bund nicht mit Steuergeldern einspringt, müsste sich der durchschnittliche Zusatzbeitrag für die Versicherten nahezu verdoppeln: von derzeit 1,1 auf 2,0 bis 2,2 Prozent. Und dabei sei der zu erwartende Corona-Katzenjammer im nächsten Jahr, etwa durch hohe Arbeitslosenzahlen und Nachholeffekte der Krankenhäuser, noch gar nicht eingepreist, berichtet der Tagesspiegel.

Allerdings: Auf welche Zahlen sich der Bericht stützt, ist unklar. Das Papier der Kassen für das Treffen mit Spahn, das APOTHEKE ADHOC vorliegt, enthält keine konkreten Zahlen. Allerdings verweisen die Kassen darauf, dass bis zum Jahresende 2020 die Reserven von gut zehn Milliarden Euro des Gesundheitsfonds leerlaufen könnten. Die Kassen selbst verfügen laut dem Finanzbericht des BMG für 2019 über Rücklagen von knapp 20 Milliarden Euro – diese sind aber nach Kassenarten unterschiedlich verteilt. Die Kassen schlagen vor, den Bundeszuschuss aus Steuermittel zu erhöhen. Derzeit schießt der Bundeshaushalt 14,5 Milliarden Euro zu. Die vom Tagesspiegel bezifferten Kassendefizite werden von anderer Seite als „Glaskugel“-Zahlen eingestuft. Niemand könne derzeit eine realistische Schätzung vornehmen.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema

Mehr aus Ressort

Weiteres
Coronavirus

Kaum Antikörper vorhanden

Sars-CoV-2: Wo bleibt die Herdenimmunität?»

Nächster Wirkstoff im Rennen

Fluoxetin zeigt Wirkung gegen Covid-19»

Testung auf Sars-CoV-2

Neuer PCR-Test: Ergebnis in 16 Minuten»
Markt

Anti-Age-Pflege

Falten ade dank 3D-Technologie»

Shop-Apotheke und Zur Rose

Versandapotheken: Plattform stoppt Kursrallye»

Interview

„Unsere Plattform wird Amazon haushoch überlegen sein“»
Politik

Kein Modellprojekt in Thüringen

„Wir werden nicht die neuen Impfkönige von Deutschland“»

Verblisterung

Tenberken leitet Blisterverband»

Heilmittelwerberecht

PKV darf nicht für Tele-Ärzte werben»
Internationales

Walgreens Boots Alliance

Wegen Corona: Pessina streicht 4000 Stellen»

Österreich

Wirkstoffverordnung: Hersteller gegen Gesundheitsminister»

Gesundheitsausschuss stimmt für Festpreise

Schweiz: Apotheker sollen nur noch das Billigste abgeben»
Pharmazie

Sachverständigenausschuss

Bayer holt Eibisch zurück in die Apotheke»

Selbstbestimmtes Sterben

Pentobarbital: Vom Schlaf in den Tod»

Integrität der Verpackung beeinträchtigt

PosiFlush: Unsterile Primärverpackung»
Panorama

Timo coacht

Digitalisierung: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen»

WHO

Kampf gegen HIV und Aids in Gefahr – wegen Corona»

Nachhaltigkeitsprojekt

Apothekenwald: Die ersten Bäume sind gepflanzt»
Apothekenpraxis

Modellprojekt in Nordrhein

12,61 Euro pro Grippeimpfung in der Apotheke»

Bundesverwaltungsgericht

Kein Rx-Bonus in deutschen Apotheken – noch nicht»

Wirkstoff.A

Iberogast: Wo Bayer mit dem Klassiker hin will»
PTA Live

PTA gibt QMS-Seminare

QMS soll „schaffbar“ sein»

ZL prüft Ophthalmika

Ringversuch: Hypertone Natriumchlorid-Augentropfen»

Auf den Bindungspartner achten

Dosierung anpassen: Coffein oder Coffeincitrat?»
Erkältungs-Tipps

Immunsystem stärken, Hygiene beachten

Fünf Tipps zur Erkältungsvorbeugung»

Verbreitung von Krankheitserregern

Tipps zur Vermeidung von Schmier- und Tröpfcheninfektionen»

Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung

Infekte in der warmen Jahreszeit»
Magen-Darm & Co.

Pflanzlich oder Probiotisch

Fresh-Up: Reizdarmsyndrom»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa: Wenn der Dickdarm erkrankt»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: Schubweises Leiden»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Bildergalerie

Schwangerschaftsmythen: Fakt oder Falsch?»

Bluthochdruck, Diabetes & Co.

Chronische Erkrankungen in der Schwangerschaft»

Engmaschige Vorsorgemöglichkeiten

Risikoschwangerschaft: Von Fruchtwasseruntersuchung und iGeL»
Medizinisches Cannabis

Interview mit Michael Becker

Cannabis-Prüftipps vom Pharmazierat»

Teil 2: Belieferung & Dokumentation

How to: Cannabisrezept»

Cannabispreisverordnung

Tilray: „Auch wir haben auf die Änderungen reagiert“»
HAUTsache gesund und schön

Isotretinoin, MTX & Co.

Hautpflege bei bestimmter Medikation»

Neue Kosmetikkonzepte

Hygiene in die Pflegeroutine integrieren»

Sommerzeit = Sonnenbrandzeit

Sonnenschutz: Mindestens LSF 30»