Impfstoffkandidaten aus Deutschland

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Berlin - Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat in der vergangenen Woche eine weitere Phase-I-Prüfung eines Corona-Impfstoffes genehmigt. Das Besondere: Es handelt sich um die erste genehmigte klinische Prüfung eines in Deutschland entwickelten vektorbasierten Covid-Impfstoffs. Auch andere deutsche Unternehmen sind dabei im Impfstoffrennen: Das Tübinger Unternehmen Curevac und das Mainzer Unternehmen Biontech setzen jedoch auf mRNA-Impfstoffe. Ihre klinischen Prüfungen sind bereits weiter und befinden sich in den Phasen II und III.

Der Vektorimpfstoff, der vom PEI zur klinischen Phase-I-Prüfung zugelassen wurde, wurde vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und IDT Biologika entwickelt. Als Grundlage dient das Pocken-Impfvirus MVA, die genetische Information für das Spike-Oberflächenprotein von Sars-CoV-2 ist in die genetische Information eingebaut. Das Impfvirus wurde nicht speziell für die Herstellung eines Corona-Impfstoffs konzipiert, sondern wurde vor 30 Jahren an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) entwickelt. Mittlerweile ist es Teil von bereits zugelassenen Impfstoffen. So wurde beispielsweise der Pockenimpfstoff Imvanex hiervon abgeleitet.

Nach der Injektion eines Vektorimpfstoffes kann der menschliche Organismus Antikörper durch eine ausgelöste Immunantwort produzieren. Dabei kann sich der bestückte virale Vektor MVA im Körper nicht vermehren. Das Immunsystem erkennt lediglich das fremde Spikeprotein und regt dadurch die Bildung von Antikörpern, bestimmten Zytokinen und T-Zellen an. Die Universitäten München und Marburg konnten in präklinischen Modellen bereits zeigen, dass der Impfstoffkandidat gegen Sars-CoV-2 eine Immunantwort und eine Schutzwirkung zeigt. Für die vom PEI genehmigte Studie wurden insgesamt 30 gesunde Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahren ausgewählt. Jeder Teilnehmer erhält zwei Injektionen im Abstand von vier Wochen. Zur Erfolgskontrolle wird die Bildung von Antikörpern und T-Zellen im Körper gemessen und mit denen von genesenen Covid-Patienten verglichen.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Impfstoffkandidat einer von weltweit 41 präventiven, spezifischen Covid-19-Impfstoffkandidaten, die aktuell in klinischen Prüfungen evaluiert werden (Stand 30. September). Das PEI geht davon aus, dass weitere klinische Prüfungen von Covid-Impfstoffen in Deutschland folgen werden. Dies sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Zulassung von unbedenklichen und wirksamen Impfstoffprodukten. So genehmigte das PEI bereits die klinische Studie zum mRNA-Impfstoff von Biontech. Die Phase II/III-Studie des Mainzer Unternehmens in Zusammenarbeit mit Pfizer startete Ende Juli in den USA. Eine Ausweitung auf Deutschland wurde am 7. September genehmigt. Curevac führt aktuell keine klinische Prüfung in Deutschland durch. Der Impfstoffkandidat befindet sich seit Ende September in der in Phase IIa-Studie – vorerst in Peru und Panama.

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