Wissenschaftler uneinig

Corona-Übertragung: Rolle von Aerosolen weiter umstritten dpa/ APOTHEKE ADHOC, 02.08.2020 10:02 Uhr

Berlin - Dass Aerosole bei der Übertragung von Sars-CoV-2 eine Rolle spielen, ist weitgehend Konsens. Doch die Frage ist: Welche? Die wissenschaftliche Meinung zum Thema ist geteilt. Forscher der Harvard Medical School argumentieren, dass die Aerosol-Übertragung nicht der dominante Infektionsweg sein kann. Andere Wissenschaftler wiederum werfen der WHO vor, das Ansteckungsrisiko durch Aerosole zu vernachlässigen.

Virushaltige Partikel in der Luft, sogenannte Aerosole, spielen bei der Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 eine Rolle – das ist inzwischen gängige Meinung. Doch wie groß diese Rolle ist, dazu gibt es in der Fachwelt unterschiedliche Ansichten. Einig sind sich die Forscher darin, dass vor allem in geschlossenen Räumen die Ansteckungsgefahr am größten ist. Mitte Juli veröffentlichten Forscher um Michael Klompas von der Harvard Medical School eine Analyse, in der sie zu dem Schluss kommen, dass die Virusübertragung mittels Aerosolen nicht der dominante Weg der Verbreitung sein könne. Zum Beleg führen sie einen Vergleich an: Bei anderen Krankheiten wie Masern, von denen man weiß, dass sie über Aerosole verbreitet werden, stecke ein Infizierter viel mehr Personen an als bei Sars-CoV-2. Die sogenannte Reproduktionszahl sei kleiner und eher mit der von üblichen Grippeviren vergleichbar.

Die Forscher mahnen an, auch andere mögliche Übertragungswege wie Schmierinfektionen nicht außer Acht zu lassen. Wenn Aerosole der Hauptübertragungsweg wären, so die Forscher, reichten Regeln wie zwei Meter Abstand oder die Maskenpflicht nicht aus, um Ansteckungen zu vermeiden. Denn anders als dicke Tropfen Schnodder oder Speichel sinken die Mini-Teilchen nicht recht schnell zu Boden und sie durchdringen sogar medizinische Masken.

Der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, weist aber darauf hin, das gerade die sehr kleinen Teilchen von unter 5 Mikrometern stundenlang in der Luft schweben – und dann eingeatmet werden könnten. Nur in der Nase und in der Lunge befänden sich sogenannte ACE2-Rezeptoren, die es den Viren ermöglichen in menschliche Zellen einzudringen und sich zu vermehren, erläuterte Scheuch in Gemünden (Wohra). „Durch anschließendes Niesen gelangen die Viren wieder in die Luft.“ Er zählt sich zu einer Reihe von Wissenschaftlern, die die Ansteckung über Aerosole sogar für den wichtigsten Infektionsweg halten.

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