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Opioide, Cannabis & Co.

Corona: Abhängigkeit erhöht Erkrankungsrisiko

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Berlin -

Suchterkrankungen gehen mit einem deutlich erhöhten Erkrankungsrisiko für Covid-19 einher – vor allem in Bezug auf Abhängigkeiten von Alkohol, Tabak, Cannabis, Opioiden oder Kokain. Das geht aus einer Analyse des National Institute on Drug Abuse hervor.

Vor allem in den USA ist die Opiatabhängigkeit ein großes Thema. Im Jahr 2019 sind dort Schätzungen zufolge mehr als 70.000 Menschen an einer Überdosis gestorben. In diesem Jahr könnte die Zahl noch höher sein, denn neben der Gefahr durch Opiate stellt auch Sars-CoV-2 ein Risiko für Abhängige dar.

Abhängigkeiten erhöhen Risiko um das 10-fache

Für ihre Analyse wertete das Team des National Institute on Drug Abuse die Daten von mehr als 73 Millionen elektronischen Krankenakten von US-Amerikanern aus. Mehr als 471.500 Patienten davon waren abhängig von Opioiden. In Bezug auf Erkrankungen mit Sars-CoV-2 scheint die Abhängigkeit den Analysen zufolge eine große Bedeutung zu haben: Denn unter gut 12.000 Patienten mit Covid-19 waren 210 Opioidabhängige.

Die Forscher ermittelten nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und ethnischer Herkunft ein 10-fach erhöhtes Risiko für Suchtkranke an Covid-19 zu erkranken. Dabei zeigte sich, dass nicht nur Opioidabhängige häufiger erkranken – auch andere Substanzen scheinen das Risiko zu erhöhen. Sowohl bei Rauchern wie auch bei Alkoholabhängigen, Kokainsüchtigen und Cannabis-Abusus zeigten sich erhöhte Erkrankungsraten.

Außerdem waren die Verläufe schwerer: 41 Prozent mussten aufgrund von Covid-19 hospitalisiert werden. Unter Nicht-Abhängigen waren es nur 30,1 Prozent. Ähnlich sieht es bei der Todesrate aus: Während insgesamt etwa 6,6 Prozent der Covid-Patienten starben, waren es unter den Abhängigen sogar 9,6 Prozent. Ein Grund seien wahrscheinlich die Vorerkrankungen der Betroffenen: Neben Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD litten viele unter Nieren- und Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen und Bluthochdruck. Diese Grunderkrankungen gelten bereits alleine als Risikofaktoren für Infektionen mit Sars-CoV-2.

Ein weiterer Grund sei die unter Opioiden auftretende Atemdepression. Im Falle einer Infektion führe sie zu Komplikationen und begünstige schwere Verläufe. Weitere mögliche Faktoren könnten soziale Isolation und verspätete Behandlung sein. Der Einfluss von Medikamenten wie Methadon, Buprenorphin oder Naltrexon zur Substitution beziehungsweise Entzugstherapie wurde von den Wissenschaftlern ausgeschlossen.

Pandemie schafft ideales Umfeld für Sucht

Auch hierzulande sind Drogen und Corona ein problematisches Duo: Die möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf suchtkranke Menschen bereiten den Fachgesellschaften Sorge – ebenso wie der fehlende ärztliche Nachwuchs in dieser Spezialisierung. Selbsthilfegruppen konnten lange nicht zu ihren Treffen einladen, Beratungsstellen mussten den Publikumsverkehr einstellen und Kliniken und therapeutische Einrichtungen sind zu Schutzmaßnahmen gezwungen. Die Krise schaffe „ein ideales Umfeld für Suchtmittelmissbrauch“. Dies gilt nicht nur für die Drogensucht, sondern auch andere Bereiche wie Spielsucht. Prinzipiell sei die Gefahr für Suchtkranke, in dieser Situation in alte Muster zu verfallen, „gewaltig“, erläutert die Hilfsorganisation Blaues Kreuz.

 

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